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Wie ich einige Posts vorher bereits vermutet hatte, scheint sich mein Verdacht nun zu bestätigen. Corona befällt nur Feiernde, trinkende Jugendliche, Ungehorsame, die nach 21 Uhr das Haus verlassen, alte Menschen oder Fledermäuse. Um es kurz zu machen, nur Privatpersonen, nicht jedoch Arbeitnehmer. Wie sonst ist es zu erklären, dass Politiker Berufstätigen kaum Bewegungseinschränkungen auferlegen. Zwar haben unsere Volksvertreter zwei Monate nach Beginn des harten Lockdowns endlich reagiert und eine freiwillige Pflicht zum Homeoffice eingeführt, doch kam die Regelung reichlich spät und mit vielen Ausnahmen.

Arbeiter, fürchtet euch nicht vor dem Virus!

Denn Corona hält schützend ihre unsichtbare Hand über alle Berufstätigen, sie verschont hart arbeitende Menschen. Und so können sich alle Büroangestellten ohne Furcht vor Ansteckung - im Auto oder mit den Öffentlichen - auf den Weg ins Großraumbüro machen. Sie müssen nicht isoliert und allein in ihren Wohnungen arbeiten. Sie dürfen ihre Kollegen in den von Aerosol-Wolken behangenen Büros treffen.
Zum Glück für alle Bosse, die es in den letzten 20 Jahren nicht geschafft haben, die Voraussetzungen für Teleheimarbeit (Digitalisierung) in ihren Unternehmen umzusetzen.

Als Zeichen des Dankes werden die Oberhäupter des Neoliberalismus Corona demnächst heiligsprechen.

Doch Vorsicht ist geboten. Nur jene, die die neue GötzIN des Neoliberalismus akzeptieren und ausschließlich ihre Wohnung verlassen, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, können den Viren-Schutz der baldigen Heiligen vollumfänglich ausschöpfen. Nicht aber jene, die nachts alleine draußen spazieren gehen.
Auch Autofahrer, die noch eine Christophorus-Medaille an ihr Armaturenbrett kleben haben, sollten zwingend das veraltete christliche Götzenbild gegen das der Corona austauschen. Der alte Mann mit fremdem Kind auf seinen Schultern ist nicht nur wegen der sexuellen Vorwürfe gegen die katholische Kirche fragwürdig, sondern schützt er nach neuesten betriebswissenschaftlichen Hochrechnungen auch gutgläubige Christen weniger effizient als die neue neoliberale Schutzheilige.
(Bestellungen für die neue Corona-Medaille werden ab sofort auf www.ewigeswachstum.de / .com / .org / .info entgegengenommen.)

Jedoch kann Corona nicht alle Arbeiter gleich schützen. Hat sie doch alle Hände damit zu tun, dem Neoliberalismus den Weg zu noch mehr Kapital freizumachen. Deswegen brauchen Menschen, die in unkapitalistischen Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern arbeiten, einen weiteren Schutzpatron. Am besten jemand, der bereits Erfahrung mit Teilen von (Schutz)-Kleidung hat. St. Martin ist dafür eher ungeeignet, ist er schon zu lange tot.

Ich bin nur froh, dass ich weder alt noch ein trinkender Jugendlicher, ein Feiernder, ein Ungehorsamer, der nach 21 Uhr das Haus verlässt oder gar eine Fledermaus bin.
Jedoch mach ich mir etwas sorgen, wenn ich mein Büro verlasse und vom Arbeiter zur Privatperson werde. Wer schützt mich dann?


Nachtrag vom 01.04.2021: Studie belegt Büro-Drang der Deutschen