Die 80er waren schräge Zeiten. Viel Seltsames brachte diese Ära hervor. Elektro-Musik, Neon-Mode, Schulterpolster und einen kratzenden Einkaufsbeutel („Jute statt Plastik!“). Und beinahe wäre genau dieser zur Galionsfigur des Umweltschutzes geworden. Nur hatte die Verschmutzung des Planeten Anfang der 1980er-Jahre kaum jemanden beeindruckt. Vor allem jene nicht, die heute mit ihrem Elektro-Geländewagen zum Bio-Markt fahren und so geriet der Jutebeutel in Vergessenheit.

Doch Anfang 2019 interessierte sich plötzlich unsere Jugend wieder für den Umweltschutz … oder wie sie es heute nennt, den Klimawandel - Worte sind im 21. Jahrhundert aber auch ziemlich wandlungsfähig. Egal! Seit 2019 jedenfalls opfern klimabewusste Schüler regelmäßig jeden Freitag ihre wertvolle Freizeit und führen selbstlos den gescheiterten Kampf der Jutetasche fort. Mit Erfolg, denn wo der hässliche Beutel (und Greenpeace) bisher scheiterten, schafften sie es, dem Klima eine Stimme zu geben, die endlich gehört wurde. Selbst von hart gesottenen Konzernen, die sogleich öffentlichkeitswirksam versprachen, ihre Produkte mit nachhaltigen Umwelt-Logos zu versehen.

Prinzipiell ist es egal, ob der Sinneswandel der Wirtschaft nun der Jutetasche, dem unermüdlichen Einsatz der Jugendlichen oder dem Zeitgeist entsprungener Heuchelei anderer pseudo-intellektueller Klimaheiliger geschuldet ist. Hauptsache, es handelt sich bei den Umweltschutzmaßnahmen der Großkonzerne nicht um leeres Gewäsch ihrer PR-Abteilungen. Aber warum sollte es? Denn Klimaschutz ist jetzt endlich sogar ohne aufwendigen Umweltschutz möglich. Die Verschmutzung wird von den Firmen einfach outgesourct. Schließlich können sie durch den Erwerb von Umwelt-Zertifikaten die saubere Luft einfach so dazu buchen, ohne wirklich den Ausstoß von Schadstoffen verringern zu müssen.
In der Ökonomie muss die Bilanz ausgeglichen sein, ob die Rechnung jedoch in der Ökologie aufgeht? Auf jeden Fall, denn dank hochmoderner Verfahren, die eine Reparatur von vielen elektrischen Geräten fast unmöglich machen, können Konzerne ihre Produkte heute nachhaltiger herstellen als noch zur Ära des Jutebeutels. Ihre aufpolierten Umweltzertifikate, die sauberer glänzen als Meister Propers Glatze, beweisen es. Blöd nur, dass unser Blauer Planet in paar Jahren im Arsch ist, weil Experten unterdessen nicht klären konnten, wie man mit den unzähligen „grünen Zertifikaten“ und den vielen nachhaltigen Versprechen den ganzen Dreck wegmachen soll.

Apropos Umweltschutz. Mit dem Kauf eines über zwei Tonnen schweren Elektroautos bucht die grüne Oberschicht den Umweltschutz serienmäßig mit dazu. Je schwerer ein E-Auto ist und je weniger drin fahren, desto klimaneutraler ist es übrigens. Bei so viel Innovation kann das Fahrrad reinen Gewissens im Keller bleiben - alles ist gut, hierzulande wenigstens.

Für wirklich echten Umweltschutz müssen ALLE mithelfen!

Es reicht nicht aus, wenn lediglich Konzerne und Reiche für mehr Klimaschutz an ihrem Verhalten nichts ändern müssen. Bürger der Unter- sowie Mittelschicht sollten diese Chance ebenfalls erhalten! Und deshalb haben wir von NONrelevant beschlossen, Klimaschutz für Alle zu ermöglichen!

Je mehr Zertifikate, desto grüner die Umwelt!

Und darum geben wir von NONrelevant ab sofort an alle Gering- sowie Normalverdiener unser nicht verbrauchtes CO2 weiter! Und wir haben reichlich davon. Fahren wir schließlich nicht mit einem 2,5 Tonnen schweren Elektroauto zum Bio-Laden, um im Winter Bio-Tomaten aus Spanien zu kaufen. Allein schon deswegen, weil wir so ein umweltfreundliches Auto gar nicht haben. Wir fahren mit dem Rad oder gehen zu Fuß. Auch heizen wir unsere kleine Wohnung nicht mit Öl, sondern mit nachhaltig gefördertem Gas, das mit riesigen schwerölbetriebenen Tankern aus amerikanischen Fracking-Gebieten über den Atlantik gekarrt wird. Doch nicht genug! Im tiefsten Winter stellen wir unsere Heizung grundsätzlich ein Grad niedriger als alle Anderen. Und natürlich produzieren wir unsere Texte auf NONrelevant ausschließlich mit Mehrweg-Worten.

Unsere selbstlose Aufopferung für ein besseres Klima soll aber nicht verpuffen. Nein, wir möchten unser nicht verbrauchtes CO2 an Alle weitergeben. Völlig kostenfrei.

Dank NONrelevant kann endlich JEDER ökologisch!

Dank unserer nonrelevanten Umwelt-Zertifikate brauchen sich Gering- und Normalverdiener NIE wieder Vorhaltungen von Medien und Politik machen lassen, dass ihr ökologischer Fußabdruck angeblich viel zu hoch sei und sie deswegen ganz allein an der Zerstörung des Klimas schuld sind.

Liebe Gering- und Normalverdiener, nutzen Sie die Gelegenheit! Schließlich wollen Sie 2030 doch nicht in der Zeitung lesen müssen, nur Konzerne und jene, die es sich leisten konnten, hätten was für den Klimaschutz getan.

NIE wieder schlechtes Gewissen!

Unsere nonrelevanten Umweltzertifikate schonen das Klima wirklich und nicht nur, weil es drauf steht. Und um der wundersamen Schutzwirkung noch mehr Nachhaltigkeit zu verleihen, werden wir jedes Einzelne unserer Zertifikate in GRÜNE Laminierfolie einschweißen!

Bitte beachten Sie dazu folgenden Hinweis:
Nach Ablauf der Gültigkeit werden wir Ihre unnötig einlaminierten Zertifikate selbstverständlich fachmännisch entsorgen. Schließlich dauert das Zersetzen von großen Plastikteilen ewig und NUR durch Ihrer Rückgabe können wir garantieren, dass die laminierten Zertifikate möglichst kleinteilig geschreddert werden, bevor wir sie ins Meer schmeißen. Mit diesem einzigartigen Recycling-Verfahren verhindern wir nicht nur, dass Meerestiere qualvoll an zu großen Plastikstücken ersticken, sondern wir sorgen auch dafür, dass sich die unnötig laminierten Umweltzertifikate so noch viel schneller zersetzen, um möglichst rasch als mikroskopisch kleine Teilchen wieder in unseren Kreislauf zurückzugelangen.

Für dieses einzigartige Recycling-Verfahren wurden wir selbstverständlich Umwelt-zertifiziert.

Zögern Sie nicht! Unser Zertifikate sollten es Ihrem Planeten wert sein!