Liebe pseudo-intellektuellen Gutmenschen,
wir haben einen Deal. Keinen „bio-vegan-regional-in-15-Minuten-zu-erreichen“-Deal aus der Hipster-Boulangerie, sondern den Urvertrag unserer Gesellschaft: Wir arbeiten. Wir zahlen Steuern. Und der Staat liefert dafür ein System, das weitgehend funktioniert. Das ist zumindest der Entwurf.
Doch die Realität wirkt zusehends wie ein Karikatur: Wir zahlen, der Staat tanzt.
Während die neue Moralelite im Privatjet zum Klimagipfel fliegt und dort erklärt, dass wir auf unser Auto verzichten müssen, arbeitet der Rest der Bevölkerung tatsächlich noch – und das nicht in Zoom-Calls mit Avocado-Toast, sondern in Jobs, bei denen man um 4:30 Uhr aufsteht und wirklich irgendwo hin muss.
Ich bin für Umweltschutz. Ich bin für Gerechtigkeit. Und ich bin für Vernunft. Aber ich bin nicht für moralische Selbstdarsteller in Funktionsjacken, die glauben, die Welt ließe sich retten, indem man dem Normalbürger die letzten Freiheiten wegnimmt.
Und wenn der Staat seinen Teil des Deals nicht mehr erfüllt, wird es irgendwann schwer zu erklären, warum wir unseren noch erfüllen sollen. So simpel ist das.
Das ist kein Manifest, sondern ein Aufruf zur Vernunft. Ein Weckruf für alle, die sich nicht länger von Ideologen vorschreiben lassen wollen, wie sie zu leben haben – nicht von rechts, nicht von links, nicht von oben.
Den Weg der Ideologie gehe ich nicht mit. Denn Ideologie führt am Ende in den Untergang.
Wir brauchen Debatten, keine Dogmen. Wandel, keinen Wahnsinn. Und ein System, das für die Menschen da ist – nicht gegen sie.
Der Wohlfahrtsstaat am Scheideweg
Wir leben in einem Wohlfahrtsstaat. Zumindest theoretisch. Wir zahlen Steuern – nicht freiwillig, aber mit dem Grundvertrauen, dass der Staat damit etwas Sinnvolles macht: Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, ein soziales Netz. Dafür gibt’s den Deal: Wir arbeiten – und der Staat sorgt für den Rahmen.
Gerade bei Gesundheit, Bildung und Rente zeigt sich, wie brüchig dieser Deal inzwischen ist. Ein Gesundheitssystem, das sich primär an Shareholder-Gewinnen orientiert, verfehlt seinen Zweck. Es muss sich wieder an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, nicht an Kennzahlen.
Die Bahn ist ein Paradebeispiel für Scheinprivatisierung: formal ein Unternehmen, real in Staatsbesitz – ohne echten Wettbewerb und ohne funktionierenden Service. Die Rechnung zahlen wir: Verspätungen, überfüllte Züge, ausgedünnte Fahrpläne im ländlichen Raum, weil sich Haltestellen „nicht mehr rechnen“.
Die Sanierung der Autobahnen? Dasselbe Spiel. Der Staat gibt Milliarden aus und vergibt die Aufträge – oft nicht an die Besten, sondern an die Richtigen. Also an Freunde und Bekannte. Und selbst wenn dabei noch etwas gebaut wird, ist es für den Steuerzahler meist ein schlechtes Geschäft. Genau wie bei den Banken: Geht es schief, lassen sie sich mit Steuergeld retten. Geht es gut, behalten sie die Gewinne für sich. Deutschland ist zur Dauerbaustelle geworden – ein System, in dem Korruption und Vetternwirtschaft immer Vorfahrt haben.
So verliert der Staat Stück für Stück die Kontrolle – nicht nur über die Infrastruktur, sondern über das Vertrauen der Bürger. Es wirkt nicht wie Fürsorge, sondern wie Ausverkauf.
Der Wohlfahrtsstaat soll wirtschaftlich handeln, ja – aber wie ein treuhänderischer Verwalter des Volksvermögens. Nicht wie ein Konzern, der Gewinne maximiert. Daseinsvorsorge heißt: für alle da sein, auch dort, wo es sich wirtschaftlich nicht lohnt, aber gesellschaftlich notwendig ist.
Privatisierung von Strom- oder Wassernetzen sowie Immobilien hat gezeigt, wie es nicht laufen sollte. Berlin musste sein teilprivatisiertes Wassernetz teuer zurückkaufen, Hamburg hat das Stromnetz zurückgeholt. Und Berlin hat Anfang der 2000er unter Rot-Rot rund 65.000 Wohnungen der GSW an internationale Finanzinvestoren verhökert – ein kurzfristiger Kassensturz, der langfristig die Mietpreise massiv in die Höhe getrieben hat. Immobilien müssen nicht zwangsläufig dem Staat gehören. Aber öffentliches Eigentum billig zu verkaufen und damit dauerhaft jede Steuerungsmöglichkeit aus der Hand zu geben, ist kein kluger Deal – das ist ein Ausverkauf. Lebenswichtige Infrastruktur gehört in öffentliche Hand. Alles andere ist politisch organisierter Kontrollverlust. Den bezahlen wir. Jeden Tag.
Ich bin nicht gegen Marktmechanismen. Aber dagegen, dass sie als Vorwand dienen, den Staat auszuhöhlen und öffentliches Eigentum zu verscherbeln. Das ist keine Politik – das ist ein System, das sich selbst bedient. Brandgefährlich.
Ideologie vs. Realität – Freiheit kann nicht verordnet werden
Der Individualverkehr ist ein Problem, keine Frage. Aber die Art, wie dieses Problem derzeit „gelöst“ werden soll, ist einfach nur ideologisch.
Für viele ist das Auto nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern Unabhängigkeit. Vor allem für diejenigen ohne dichten ÖPNV, die früh zur Schicht müssen und keine Carsharing-Flatrate vor der Tür haben. Für die anderen ist das Auto Freiheit, vielleicht sogar die letzte. Viele haben sich ihr Auto über Jahre hart zusammengespart. Für sie ist es das letzte Symbol einer Freiheit – und genau diese Menschen trifft die ideologische Abrissbirne am härtesten.
Was Ende der 1920er die Zigarette als „Fackel der Freiheit“ für die Frau war und der Marlboro-Mann in den 70ern für den Mann, ist heute das Auto – für alle, egal welchen Geschlechts. Symbole räumt man nicht per Erlass ab. Symbole ändern sich im Laufe der Zeit. Und oft sind sie weniger Ausdruck von Freiheit als das Ergebnis gezielter Verkaufsstrategien.
Denn was gerade passiert, ist kein Wandel – es ist ein Bruch. Ein Bruch mit der Lebensrealität. Ein Bruch mit der Kompromissbereitschaft. Und vor allem: ein Bruch mit dem Versprechen, das man den Bürgern einst gegeben hat.
Wenn plötzlich Parkplätze verschwinden, ohne dass Busse häufiger fahren. Wenn man dem Autofahrer das Fahrzeug madig macht, aber gleichzeitig den ÖPNV verrotten lässt – dann ist das nicht kluge Politik, das ist symbolischer Klassenkampf. Gegen die eigene Bevölkerung.
Der Wandel ist ja längst im Gange: In Großstädten nutzen viele Carsharing, E-Bikes. Jugendliche fahren weniger Auto. Das ist gut – aber es ist eine Entwicklung, kein Erlass. Gesellschaften verändern sich durch Überzeugung, nicht per Vorgabe von oben.
Die nächste Generation wird vieles anders und oft besser machen – aber sie kann das nur, weil sie auf dem aufbaut, was die heute 45+ erkämpft, erarbeitet und durchgestanden haben.
Was viele Klimajünger vergessen: Ohne Ingenieurskunst geht es nicht voran. Wir könnten längst weiter sein, wenn korrupte oder lobbygesteuerte Strukturen Innovation nicht blockiert hätten. Und ja, wir haben Jahrzehnte verpennt. Beispiele gibt es reichlich: Technologien an China verhökert, den Transrapid als Geschenk gleich mit – gefahren wird er in Shanghai. Das war kein Schicksal, das waren politische Fehlentscheidungen. Und daran sind nicht die Autofahrer schuld – sondern die Kleingeister, die mit Ideologie Probleme lösen wollen, die nur mit Kompetenz zu lösen sind.
Wer in der Innenstadt wohnt, wo alle fünf Minuten eine Bahn kommt, hält Autos schnell für den Endgegner. Wer täglich auf dem Land pendelt, sieht das anders
Doch der ÖPNV ist aktuell selten eine echte Alternative – weder auf dem Land noch in vielen Großstädten. Verspätungen, Ausfälle, marode Infrastruktur. Wer ihn trotzdem nutzt, verdient Respekt.
Beim Fleisch das Gleiche: Viele reduzieren freiwillig. Aber der Griff zur Verbotskeule ist die bequemste Lösung. Verbieten ist einfacher als nachdenken.
Die Energiepolitik steht dem in nichts nach: Kernkraft abschalten – möglich. Aber ohne verlässlichen Plan für Versorgungssicherheit wird es dunkel. Dabei gibt es längst Lösungsansätze. Aber nein: lieber alles mit Idealismus niederbügeln.
Veränderung braucht einen Plan, keine Parolen. Eine Gesellschaft ist kein Software-Update, das man über Nacht einspielt, sondern ein langsamer Aushandlungsprozess, der Zeit, Kompromisse und Respekt braucht. Sie braucht Kompetenz statt Kampfrhetorik, Ingenieurskunst statt Symbolpolitik.
Wir als Gesellschaft haben die Regeln festgelegt. Keine Partei sollte ihre eigenen Regeln der Gesellschaft aufzwingen, nur weil es ihr gerade besser passt. Die Parteien, die Volksvertreter, haben sich nach unseren Regeln auszurichten. Was heute oft als Fortschritt verkauft wird, ist ein autoritärer Rückschritt im grünen Gewand. Zwangsmissionierung ist keine Zukunftsstrategie. Und wer meint, das sei „der einzig wahre Weg“, hat Demokratie nicht verstanden.
Parkplätze verbieten, aber Panzer liefern – das ist die Kurzfassung dieser Schieflage. Wer keine Lösungen hat, greift zur Moral. Wer keine Argumente hat, zur Ideologie.
Der Eindruck drängt sich auf: Kompetenz wird nicht mehr erwartet – nur noch Haltung. Und wenn Haltung reicht, muss auch niemand mehr etwas können. Eine Gesellschaft, die immer mehr verblödet! Und das alles nur, damit die Lautesten sich besser fühlen. Weil sie zu empfindsam sind, die Realität zu sehen. Wenn das dann die endgültige Gesellschaft ist, werden wir nichts mehr erreichen. Denn es wird keinen Mozart, keinen Tesla, keinen Goethe mehr geben. Nur noch Idiotie.
Jung vs. Alt – Zwei Generationen, ein Missverständnis
Die Jugend rebelliert, die Alten halten dagegen – Klassiker. Neu ist, dass aus Streit ein Graben geworden ist.
Die Jungen sagen: „Ihr habt die Welt ruiniert.“ Die Alten sagen: „Ihr habt keine Ahnung, aber viele Forderungen.“
Beide haben teilweise recht, beide liegen teilweise falsch.
Zwei Lebensrealitäten prallen aufeinander – aber beide Seiten haben Anspruch auf Respekt. Die Älteren haben gearbeitet, aufgebaut, Kompromisse getragen, Fortschritte erkämpft. Die Jüngeren haben das Recht, für ihre Zukunft zu kämpfen. Der Fehler ist zu glauben, Wandel funktioniere nur, wenn man die Vorgängergeneration abwertet oder entmachtet.
Der Status quo ist nicht vom Himmel gefallen. Wer das vergisst, kündigt den Generationen-Deal einseitig auf.
Ich hasse arbeiten. Wirklich. Vor allem, weil ich einen Bullshit-Job habe. Aber ich gehe trotzdem meiner Arbeit nach – nicht aus Begeisterung, sondern weil ich trotzdem dieses diffuse Gefühl von Gesellschaft in mir trage. Dieses Gemeingefühl, das für das Funktionieren einer Gesellschaft so essenziell ist. Auch wenn ich das korrupte System verachte: Ich zahle meinen Beitrag, weil ich weiß, dass ohne dieses Gefühl von Zusammengehörigkeit alles zerfällt. Die Generation vor uns hat das oft jahrzehntelang getan – harte, oft sinnentleerte Arbeit, die das Fundament gelegt hat, auf dem die Jungen heute stehen und fordern können.
Die Jugend braucht die Erfahrung der Alten. Die Alten brauchen die Energie der Jugend. Das geht nur gemeinsam – nicht, wenn sich beide Seiten gegenseitig als Feindbild pflegen.
Natürlich rebelliert jede Jugend. Später stellt sie fest, dass vieles komplizierter ist als gedacht. Dann rebelliert schon die nächste Generation gegen ihre Regeln. Das ist der Kreislauf der Demokratie.
Ein Trost für manche: Die Alten sterben in der Regel früher – und dann steht den Plänen der Jugend erstmal nichts mehr im Weg. Bis diese selbst älter wird, konservativer – und schließlich stirbt. Dann beginnt das Spiel von vorne. Der Kreislauf schließt sich.
Heuchelei, Hochmut und die grüne Doppelmoral
Moralische Überlegenheit ist der neue Luxusartikel. Moral wird als Statussymbol getragen: je lauter, desto weniger muss mit der Realität abgeglichen werden.
Der Skandal sind nicht Ideale, sondern, dass sie oft nur für andere gelten.
Fleischverzicht aus der 300-Quadratmeter-Villa. Autofreie Innenstädte aus dem Chauffeursitz heraus. Weltrettung als Bühne und der Bürger als derjenige, der die Rechnung begleichen darf.
Das nennt man Doppelmoral – sie zerstört nicht nur den Diskurs, sondern auch das Vertrauen in jede Form von Veränderung.
Wie soll ein Handwerker, der täglich mit dem Transporter unterwegs ist, ernst nehmen, dass ihm jemand von der Talkshow-Couch aus das Lastenfahrrad predigt? Wieso soll eine normal verdienende Familie ihr mühsam erarbeitetes Eigenheim plötzlich als „privilegiert“ oder „klimaschädlich“ abstempeln lassen, nur weil es politisch gerade opportun ist?
Mutig ist man immer beim kleinen Mann: bei Handwerkern, Pendlerinnen, Familien im Reihenhaus – aber wenn es um große Konzerne geht, die mit Zertifikaten, Schlupflöchern und Greenwashing ganze Industrien schönrechnen, wird es plötzlich erstaunlich still.
Statt Argumente werden Menschen gegeneinander gestellt: Gut vs. Böse, fortschrittlich vs. rückständig, jung vs. alt. So spaltet man eine Gesellschaft.
Verloren geht dabei Vertrauen – in Politik, Diskurs, Wandel.
Wer freiwillig auf Fleisch verzichtet: super. Wer kein Auto braucht: wunderbar. Aber daraus eine Pflicht für alle abzuleiten ist nicht moralisch überlegen, sondern realitätsfern.
Wer es ernst meint, muss nicht ständig andere belehren. Wer das trotzdem will, soll zu X, oder – wer über 90 ist – zu Facebook.
Marktgläubigkeit, Staatsversagen – und die große Selbstlüge
„Der Markt regelt das schon.“
Wenn ich diesen Satz noch einmal höre, schaue ich mir freiwillig eine Doku über Globuli an – die Extended Version.
Der Markt regelt nicht das Gemeinwohl, sondern Profite – für die, die mitspielen können. Der Rest zahlt.
Diese famose Selbstregulierung ist eines der größten Märchen überhaupt. Wer es nicht glaubt, gibt mal „Common Ownership“ bei Google ein – und sieht, wie dieselben großen Fonds bei konkurrierenden Konzernen gleichzeitig am Tisch sitzen.
Im Gesundheitssystem geht es längst nicht mehr um Menschen. Marge ersetzt Genesung. Entscheidungen werden nach Fallpauschalen getroffen, nicht nach Bedarf. Kassenpatienten sind Kostenfaktoren mit zu langer Lebenserwartung. Pro Patient bleiben noch 1,4 Minuten – dann ist das Problem erledigt.
In der Bildung boomen Privatschulen, weil der Staat seine Aufgaben verschleppt. „Bildungsmarkt“ heißt dann übersetzt: Wer es sich leisten kann, kauft sich bessere Chancen. Alle anderen bleiben bei Tageslichtprojektoren im Klassenraum gefangen.
Die Ausrede: „Der Staat kann das nicht besser.“ Doch, kann er – wenn er will. Wenn er nicht jedes öffentliche Gut zum Spielball von Lobby und „Wettbewerb“ macht, um es später teuer zurückzukaufen.
Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, aber spüren tun viele davon nichts mehr.
Ich zahle gern Steuern, weil ich an den Wohlfahrtsstaat glaube. Aber dann erwarte ich, dass der Staat Verantwortung übernimmt, statt sich wie ein überbezahlter Praktikant bei McKinsey zu benehmen.
Wenn er sich wie ein Unternehmen verhält, aber ohne dessen Effizienz, wenn Steuergeld genutzt wird, um private Gewinne abzusichern, und wenn soziale Gerechtigkeit „den Markt“ regeln soll – dann ist das keine Politik, sondern organisiertes Wegducken.
Eigentum, politische Kultur & Ideologie
Privateigentum ist ein Fundament unserer Ordnung. Es geht nicht darum, Normalverdiener zu bestrafen, die ein Haus oder eine Wohnung erben. Der Fokus sollte auf sehr großen Vermögen liegen – und auf Regeln, die Schlupflöcher schließen.
Der Deal: Wir opfern Lebenszeit, arbeiten, zahlen Steuern – und dürfen über das Erarbeitete frei verfügen. Wer das einseitig infrage stellt, zerstört Vertrauen. Den Menschen ihren Wohlstand Stück für Stück wegzunehmen – über Preise, über Steuern, über Verbote – ist nicht Teil des Deals. Es ist Raub.
Wenn der Staat so weitermacht, passiert genau das, was niemand will: Die Reichen können sich freikaufen, die Armen fallen durch jedes Raster – und der Mittelstand, der alles trägt, rutscht Stück für Stück nach unten.
Und die Partei, die am lautesten von sozialer Gerechtigkeit spricht? Als „Die Linke“ 2022 eine Vermögensabgabe für Multimillionäre und Milliardäre in den Bundestag brachte, stimmten die Grünen dagegen – mit Verweis auf den Koalitionsvertrag. Die Superreichen blieben verschont, der Normalverdiener zahlt weiter.
Großkonzerne haben kaum Steuerlast – nicht weil sie die Gesetze brechen, sondern weil sie über Lobbyisten maßgeblich an den Steuergesetzen mitgeschrieben haben. Wer wirklich etwas ändern wollte, müsste dort ansetzen, wo die Macht sitzt. Stattdessen wird weiter an denen gespart, die es sich am wenigsten leisten können, weil damit Politiker die eigene Lobbyfinanzierung nicht gefährden.
Solange Krieg Frieden ist, sind die Grünen eine Friedenspartei. 1984 waren sie noch gegen jeden Rüstungsexport, heute gehören sie zu den lautesten Befürwortern von Waffenlieferungen und massiver Aufrüstung.
Demokratie lebt von unterschiedlichen Interessen. Wer glaubt, eine moralisch höhere Position erlaube es, andere Sichtweisen zu unterdrücken, hat Demokratie nicht verstanden.
Und Demokratie? Ist, wenn das Volk wählt – daran ändert auch keine Demo etwas. Wer mit der Regierung gegen die Opposition demonstriert, fragt am besten mal Kim Jong-un, wie das mit der Demokratie genau läuft.
Was jetzt? – Ein Plädoyer für echten Fortschritt
Wir müssen reden. Nicht über Gendersterne, nicht über das Fleischverbot in Kantinen, nicht über die Parkplatzsituation in der Innenstadt. Sondern über das große Ganze: über unsere Gesellschaft, unseren Wohlstand – und darüber, wie wir ihn erhalten, ohne unsere Zukunft zu verspielen.
Fortschritt bedeutet nicht, Verbotsschilder aufzustellen. Fortschritt bedeutet, Probleme zu verstehen, Lösungen zu entwickeln und dabei die Menschen mitzunehmen – nicht abzuhängen, zu bevormunden oder zu beschimpfen.
Was wir brauchen, ist kein Dogma, sondern eine Renaissance der Vernunft. Innovation statt Verbot. Mit ideologischer Klimapolitik wird uns kein Land folgen – mit Innovation, die Wohlstand und Umweltschutz verbindet, schon. „Klimaschädlich“ ist das neue „gottlos“ – praktisch, wenn man nicht argumentieren, sondern nur verteufeln will.
Verantwortung statt Verbotsfantasie. Kluge Politik statt moralisch aufgepumptem Aktivismus.
Veränderung ist möglich, wenn sie glaubwürdig ist: konsequent, gerecht, nachvollziehbar. Man kann den Leuten nicht das Auto wegnehmen, solange der Bus nur zweimal am Tag fährt. Man kann den Leuten auch nicht vorschreiben, ihre Ölheizung abzuschaffen, solange Handwerker monatelang ausgebucht sind, das Material fehlt und Wärmepumpen in vielen älteren Häusern ohnehin technisch fragwürdig sind.
Gesellschaftlicher Wandel braucht Zeit, Kompetenz und Kommunikation. Er braucht Politiker, die nicht nur in Talkshows glänzen, sondern auch mal ein Konzept zu Ende denken. Er braucht Mut zur Ehrlichkeit: Nicht alles wird sofort besser. Manches muss parallel existieren: fossile und erneuerbare Energiequellen, Auto und Bahn, Eigenheim und Mietwohnung.
Kompromiss ist kein Rückschritt – er ist der einzige gangbare Weg in einer pluralistischen Gesellschaft. Fortschritt, der auf Gewalt, Zwang oder Arroganz basiert, ist kein Fortschritt.
Und bitte: Schluss mit der Übermoralisierung jeder Debatte. Nicht jede Maßnahme ist heilig, nur weil „Klima“, „Gleichheit“ oder „sozial“ im Titel steht. Und nicht jeder, der zweifelt, ist ein Faschist, Kapitalist oder Menschenfeind.
Wandel dauert. Wird er zu schnell und mit Gewalt durchgedrückt, ist es Diktatur. Veränderungen müssen realistisch, schrittweise, mehrheitsfähig sein. Und sie müssen nacheinander kommen: Wir können immer nur eine Krise nach der anderen abarbeiten, nicht zehn nebeneinander. Wir müssen unseren Wohlstand nicht aufgeben – wir müssen vernünftiger mit ihm umgehen.
Fazit – Der Deal bröckelt. Für alle.
Wir hatten einen unausgesprochenen Gesellschaftsvertrag: Wir arbeiten, zahlen Steuern, halten Regeln ein – und erwarten ein System, das funktioniert, gerecht ist und uns mit Respekt begegnet.
Dieser Deal bröckelt nicht, weil „unten“ zu wenig geben, sondern weil „oben“ zu oft vergisst, was unten überhaupt noch leistbar ist.
Politik verliert den Kontakt zur Wirklichkeit. Ideologie verdrängt Pragmatismus. Verbote ersetzen Konzepte. Wer nicht mitjubelt, gilt als rückständig.
Das ist keine Demokratie, sondern Selbstgerechtigkeit mit Regierungsauftrag.
Dabei wäre es so einfach gewesen. Wir waren insgesamt doch auf einem guten Weg. Die Gesellschaft hätte das alles von selbst ausgeschliffen – es hätte halt etwas länger gedauert. Aber nein, es musste ja sofort passieren. Und so wurde aus einer notwendigen Debatte Ideologie. Aus Überzeugung wurde Zwang. Und damit hat man die andere Seite verschreckt, die dann auf stur geschaltet hat. Denn radikalisiert sich die eine Seite, radikalisiert sich früher oder später die andere.
Trotzdem: Ich bin nicht gegen Wandel, nicht gegen Fortschritt, nicht gegen Umweltschutz. Ich bin gegen Bevormundung, Bigotterie, Doppelmoral. Dass ausgerechnet die Grünen Innovation gegen Ideologie eingetauscht haben und der Umwelt damit mehr geschadet haben als jede Regierung vor ihnen, ist besonders bitter.
Wenn wir wirklich besser werden wollen, brauchen wir: Verantwortung statt Rechthaberei. Bildung statt Empörung. Innovation statt Verbote. Geduld statt Gewalt.
Wir sind keine rein vernunftbegabten Wesen. Gerade deshalb müssen wir unser Können, unser technisches und ingenieurwissenschaftliches Wissen dafür einsetzen, diese Unvernunft auszugleichen. Anders funktioniert es nicht, vor allem nicht mit stumpfsinniger Ideologie!
Ich will keine Revolution. Ich will einen funktionierenden Staat. Einen Staat, der nicht versucht, Menschen zu erziehen – sondern ihnen zu dienen.
Denn das ist der Deal. Und solange dieser Deal noch gilt, habe ich nicht nur das Recht, ihn einzufordern – ich habe auch die Pflicht dazu.
ENDE.
Nachschlag:
Und wer mir jetzt vorwirft, ich würde hier nur aggressiv und unversöhnlich um mich schlagen: Stimmt. Ich halte Ihnen lediglich den Spiegel vor, den Sie verdienen. Und da der Haltungsjournalismus der Gesellschaft schon lange keinen Spiegel mehr vorhält, muss ich das eben machen.
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