Liebe pseudo-intellektuellen Gutmenschen,
wir haben einen Deal. Keinen „bio-vegan-regional-in-15-Minuten-zu-erreichen“-Deal aus der Hipster-Boulangerie, sondern den Urvertrag unserer Gesellschaft: Wir arbeiten. Wir zahlen Steuern. Und der Staat liefert dafür ein System, das weitgehend funktioniert. Das ist zumindest der Entwurf.
Doch die Realität wirkt zusehends wie ein Karikatur: Wir zahlen, der Staat tanzt.
Während die neue Moralelite im Privatjet zum Klimagipfel fliegt und dort erklärt, dass wir auf unser Auto verzichten müssen, arbeitet der Rest der Bevölkerung tatsächlich noch – und das nicht in Zoom-Calls mit Avocado-Toast, sondern in Jobs, bei denen man um 4:30 Uhr aufsteht und wirklich irgendwo hin muss.
Benjamin Berndt ({ungeskriptet} by Ben) hat Björn Höcke viereinhalb Stunden reden lassen, und Millionen haben zugehört. Was darauf folgte, war helle Aufregung. Der Spiegel fragte, wer diesem Mann eine solche Plattform biete; die Frankfurter Rundschau warnte, er könne sich „als ganz normal“ präsentieren; andernorts rechnete man nach, wie viel dabei zu verdienen war. Über das, was Höcke sagte, erfuhr man wenig. Über den Kanal, der es ungefiltert hinaustrug, sehr viel.
„Lügenpresse“ ist ein Kampfbegriff. Ein zu oft missbrauchtes Wort. Ein grobes Etikett, das zwar beschreibt, aber auch zuschlägt. Dem will ich mich nicht anschließen.
Unabhängig davon, das Problem bleibt.
Denn ja: Die Presse lügt.
Ein Regierungschef sitzt in einer großen Talkshow – als das, was er ist: Amtsträger, aber auch Privatmann. Und er attackiert die Pressefreiheit.
Er wettert gegen regierungskritische Medien. Also die wirklich regierungskritischen.
Es fallen Worte wie „faktenfrei“, „Gegner der Freiheit“ oder „Feinde der Demokratie“.
Dann die harmlos klingende Nachfrage, ob es nicht „Verbot“ oder „Zensur“ brauche.
Ein knappes „Ja“ füllt den Raum – und kaum hat der Politiker eben diesen Raum verlassen, heißt es, das sei natürlich ganz anders gemeint gewesen. Irgendwas mit „sozialen Medien“. Die seien ohnehin asozial.
Weiterlesen: Wenn der Privatmann sich an Grundrechten verschluckt
Es gibt im Deutschen Wörter, die sind böse. Eins davon beginnt mit N und endet – je nach Tagesform der Empörung – irgendwo zwischen „Empörungskult“ und „Totalitarismus“. Ein Wort, das nicht gesagt werden darf, weil… ja, weil es ein Wort ist. Denn wir leben in der Epoche, in der nicht mehr Inhalte gefährlich sind, sondern Buchstaben.
Neulich im Radio:
Ein BR2-Korrespondent verspricht sich bei einem ausländisch klingenden Namen. Passiert. Aber statt einfach „Entschuldigung, mein Fehler“ zu sagen, wird ein anderer beschuldigt: der Name selbst.
Vielleicht sollte der Journalist künftig nur noch über Leute berichten, die Müller, Meier oder Schmidt heißen – oder Hans. Da kann er nichts falsch machen. Sein neuer Slogan: „Ich berichte nur, wenn ich’s aussprechen kann.“
Willkommen in der Republik der wahren wehrhaften Demokraten - einem Land, in dem Meinungsfreiheit so heilig scheint, dass man sie am besten in ein katholisches Museum sperrt. Anfassen verboten. Denn wer außerhalb des genehmigten Meinungskorridors denkt, mit dem wird nicht diskutiert, sondern etikettiert: „Rechtsradikal! Demokratiefeind! Putin-Versteher! Schwachkopf!“ – Letzteres besser nicht zu laut schreiben, sonst steht die Staatsanwaltschaft schneller vor der Tür als der Paketbote mit dem neuen Bademantel.
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Willkommen in der Mitmach-Illusion 2025. Demokratie funktioniert heute wie ein Streamingdienst: Du bekommst ein paar Wahlversprechen, klickst auf „Abonnieren“ und das Programm läuft weiter - ohne dich. Mindestvertragslaufzeit? Vier Jahre. Kündigung? Eigentlich nicht vorgesehen.
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