Angedacht

Bild: MichaelGaida von Pixabay

Letztens habe ich geträumt, ich saß in einem tollen Restaurant. Das Essen kam und ich machte ein paar Bilder davon. Das hatte ich in der Realität nie gemacht. Warum also in meinem Traum? Es schien nötig. Wegen der Erinnerung und so … Anschließend ging ich noch schnell in einen Supermarkt und fotografierte Nutella und Bananen.
Daheim angekommen bestellte ich gleich einen Trabi. Ausnahmsweise sollte ich ihn schon nach fünf Jahren bekommen. Nicht weil ich einer der ersten war, nein, weil ich systemkonform war, keine kritischen Fragen stellte. Es war natürlich ein Elektro-Trabi, wegen der Umwelt und so …
Kurz bevor ich aufwachte, traf ich mich noch mit einem Ex-Ossi zum Kaffeekränzchen. Ich holte mir ein paar Tipps. Wegen der Unauffälligkeit und so … wollte ich doch nicht wegen einer falschen Meinungsäußerung auch noch meine letzten Grundrechte verlieren.

Ich wachte auf. Gott sei Dank! Es war nur ein Traum … ich hatte meine Freiheit wieder … oder so.

 

Hat irgendjemand in letzter Zeit unsere Demokratie gesehen? Weiß jemand, wo sie ist?

Ach, … da liegt sie ja. Da hinten in der Gosse.
Zusammengeschlagen vom Neoliberalismus. Ich hoffe nur, unsere Demokratie rappelt sich wieder auf.

Vielleicht hilft ihr jemand dabei.
Ich kann leider nicht. Hab grad keine Zeit, muss los Geld verdienen.

 

Ab 21 Uhr darf ich meine Wohnung nicht mehr verlassen. Elektromärkte, Restaurants und Kaufhäuser sind geschlossen. Vor den Supermärkten bilden sich lange Schlangen und an den Eingängen stehen Wachmänner, die mich nur nach Aufforderung einlassen. Im Geschäft stehe ich vor leeren Regalen, weil ich nicht rechtzeitig da war.

Solche Verhältnisse kenne ich sonst nur aus sozialistischen Ländern wie Kuba. Wer hätte gedacht, dass dieses Bild auch hier in Deutschland mal zum Alltag gehören könnte? Zumindest durfte ich mich in Havanna und Moskau frei bewegen, ohne ein Tracking-Gerät freiwillig mit mir rumtragen zu müssen.

Der Gedanke, hierzulande von einer demokratischen Institution legal überwacht zu werden, fühlt sich selbst in dieser Krise komisch an. Das Versprechen, die Bewegungsdaten lediglich anonymisiert zu erheben, macht es nur geringfügig besser.

Irgendwie ddr-resk, oder?

Gott sei Dank hab ich nix zu verbergen.

 

Bild: Comfreak von Pixabay

Der durch Menschenhand verursachte Raubbau an der Natur wurde in den 1980er-Jahren noch Umweltzerstörung genannt. Dieselbe Gräueltat heißt heute schlicht Klimawandel, denn optimistische Kapitalisten zerstören die Umwelt nicht, sie wandeln sie lediglich.

Und so werden in unserer verklärten Gesellschaft nicht etwa jene abgestraft, die das Übel verursachen, sondern lediglich die bösen Worte. Negatives Wortgut führt zu negativen Gedanken, und die darf es im wirtschaftlichen Glaubensbekenntnis des freien Marktes nicht geben. Kapitalismus braucht schließlich Ewigkeit und deswegen müssen die Ressourcen unserer Erde - wie das Glas der Optimisten - stets halb voll bleiben. Dafür wird der sich selbstregulierende Markt schon sorgen, zumindest solange die Gläubigen dieses Dogma nicht anzweifeln.

Alles muss wachsen. Alles ist im Wandel. Alles ist gut. Vor allem die Begrifflichkeiten! Aber Euphemismus ändert nichts an der Tatsache:
Wir zerstören die Umwelt, wir wandeln sie nicht. Und am Ende werden nicht mal Worte daran was ändern, egal wie schön sie auch klingen mögen!

 


Von mir, frei nach einer Radierung von Gustave Doré

Humanisten können aufatmen, es gibt keinen Anlass zu Sorge. Der Ethikrat hat kürzlich herausgefunden, ertrunkenen Flüchtlinge sind gar nicht der Grund für den Anstieg des Meeresspiegels, sondern der Klimawandel.

Die Nachricht wurde in den westlichen Industriestaaten mit Erleichterung aufgenommen. Endlich müssen sie keinen heuchlerischen Tatendrang mehr an den Tag legen, denn für den Klimawandel kann die Erste Welt ja wirklich nichts. 

Apropos Tatendrang, die deutsche Regierung hat soeben beschlossen, die Obergrenzen für Zuwanderung etwas anzuheben und in Zukunft auf jeden Fall mehr Flüchtlinge aufnehmen zu wollen als das Mittelmeer. Die Christ-Sozialen sind eben ein durch und durch humanistischer Orden. Aber auch die anderen Parteien wollen sich in Sachen Menschenrechte nichts vorhalten lassen und werden sich bei passender Gelegenheit geschlossen hinter die neue Ober-Grenze stellen.

 

Manche Worte sind böse und solche haben in einem moralisch korrekten Vokabular nichts zu suchen! Selbst ernannten Sittenwächter fordern deswegen, Ausdrücke, die sich nicht in die deutsche Sprache eingliedern wollen, unverzüglich abzuschieben. Allen voran die schwärzesten aller Wörter.

Der „Neger“ muss weg. Für die Rettung des deutschen Wortguts ist das alternativlos. Und so wird der Negerkuss in Zukunft Schokokuss heißen. Aber auch die Literatur muss bereinigt werden. Der Negerkönig von Astrid Lindgren heißt mit sofortiger Wirkung Südseekönig.

Warum aber darf das „Schwarze Brett“ seinen Namen behalten? Vor allem dann, wenn es ein Weißes ist?

Ich denke, um wirklich einen Wandel in der Gesellschaft anzustoßen, reicht das Verbannen von ein paar bösen Wörtern nicht aus. Auch Wörter mit subtilen Doppeldeutungen müssen weg. Deswegen fordere ich für den Anfang von den Sittenwächtern, mit sofortiger Wirkung das Wort „Niggerchen“ aus dem deutschen Sprachgut auszugliedern. Ersatzlos! Auch wenn das Nickerchen einen wertvollen Beitrag zur Gesundheit vieler Menschen leistet, geschlafen wird zukünftig nur noch Nachts.

Nehmen Sie das bitte Ernst, denn Ironie ist die Einstiegsdroge zum Rassismus.

 

... so viele Menschen nach dem Sinn des Lebens???
Warum stellen wir uns nicht die eigentliche Frage:
Was überhaupt ist der Sinn der Menschheit?