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Energiewende, E-Auto, Wärmepumpe

Eine Befürchtung

Die Zukunft fährt elektrisch, und das ist auch gut so. Endlich ein Auto, bei dem das Gewissen mitlädt. Zweieinhalb Tonnen sauberer Fortschritt – aber wer will schon kleinlich sein und nachrechnen, was zweieinhalb Tonnen gutes Gewissen wirklich kosten? Und weil es für das Klima so gut ist, summt zu Hause selbstgefällig die Wärmepumpe. Besser wird nichts. Nur alternativloser.

Und was interessieren uns schon arme schwarze Kinder, die in den Minen nach Kobalt graben, solange unser Gewissen nachhaltig glänzt. Moralisch blitzblank. Bis zu 40.000 sollen es sein, je nach Schätzung, ohne Helm, ohne Atemschutz, in Löchern, die gelegentlich über ihnen zusammenfallen. Steht alles in einer Fußnote, aber Fußnoten sind dazu da, ignoriert zu werden. Bezahlt wird die saubere Mobilität mit der Währung der Nachhaltigkeit. Hauptsache das Leiden der armen Menschen ist weit genug weg. Kapital ist nur nachhaltig, wenn es wächst.

Und weil so viel Gutes nicht umsonst zu haben ist, kümmert sich der Staat eifrig um die Umwelt. Erst schiebt er die schöne neue Technik mit Milliarden an – und kaum steht sie, fällt ihm auf, dass ihm die Mineralölsteuer wegbricht. Ein Jammer. Großbritannien weiß schon Rat: Ab April 2028 kostet dort jede elektrisch gefahrene Meile drei Pence, ganz im Sinne des Klimas. Bei uns wird noch diskutiert, während man die Steuerbefreiung für E-Autos großzügig bis 2030 verlängert – nicht aus Widerspruch, sondern der Reihe nach. Erst locken, dann kassieren. Und wenn alles elektrifiziert ist, schlagen Staat und Konzerne zu. Als ob irgendetwas billiger würde im ewig wachsenden Markt.

Auch die Vermieter dürfen mitmachen, ob sie wollen oder nicht. Sanieren, dämmen, Wärmepumpe rein – rechnet sich über die Jahre, sagt man. Nur geht für viele die Rechnung nicht auf und sie verkaufen ihre Immobilie: Jeder zweite private Eigentümer denkt laut PwC übers Aussteigen nach. Umlegen darf man nichts. Bleiben weniger Mietwohnungen und ein Heizungskeller, in dem am Ende genau eine Lösung steht.

Nun sind die Verbote zuletzt sogar gefallen: das Heizungsgesetz entschärft, Öl und Gas dürfen zurück ins Haus, in Brüssel wackelt das Verbrenner-Aus. Ein Sieg der Vernunft? Aber nein, nur Arbeitsteilung. Was das Verbot nicht schafft, erledigt der Preis. Verbote wirken heutzutage altmodisch. Billiger wird der Strom dabei nicht; scheint bloß so, weil alles drumherum planmäßig teurer wird. Am Ende bleibt nur noch die freie Wahl – zwischen Steckdose und Steckdose.

Die Fernabschaltung des guten Stroms? Gibt es längst – serienmäßig. EVU-Sperre heißt das mephistophelische Wort: Wer den günstigen Wärmepumpentarif nimmt, unterschreibt, dass der Versorger die Heizung bei Bedarf abschaltet – per Funk, dreimal am Tag, bis zu sechs Stunden. Ganz freiwillig, versteht sich. Und seit 2024 geht es sogar ohne Unterschrift: Jede neue Wärmepumpe muss sich vom Netzbetreiber drosseln lassen, wenn es im Netz eng wird. Mal heißt der Preis Rabatt, mal Pflicht. Die Hand am Regler ist dieselbe – aber sie meint es gut. Könnte im Winter nur kalt werden.

Frieren für andere hat noch keinen Krieg beendet. Die Befürchtung ist nämlich nicht, dass Strom böse wäre; Strom ist großartig, ich schreibe das hier mit Strom. Die Befürchtung ist die Monokultur. Eine Gesellschaft, die ihre Mobilität, ihre Wärme, ihr ganzes Leben an ein Netz aus erneuerbaren Energien und eine Handvoll Akteure hängt, hat keine Energiepolitik mehr, sondern ein einziges Risiko – für Ausfälle, für Preise, für politische Launen.
Sind die letzten echten Alternativen erst weg, ist das Monopol perfekt. Wir nennen es dann E-Monopol. Weil es so nachhaltig ist, erntet es durchweg Applaus. Vielfalt war immer ein Merkmal freier Gesellschaften; die totale Elektrifizierung ohne Rückfallebene ist das Gegenteil davon.

Wahrscheinlich kommt es nicht so weit. Falls doch, wird geklatscht. Nur: Eine Gesellschaft, die sich jede Alternative abgewöhnt hat, merkt das erst, wenn sie eine bräuchte. Dann ist es still. Kein Verschwörer hat es gewollt – Menschen mit reinem Gewissen genügten. Menschen, die nicht hinsehen wollten. So gehen freie Gesellschaften unter. Sie schalten sich ab.


Bild erstellt mit ChatGPT

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Diese Ungerechtigkeit bereitet mir ein schlechtes Gewissen, es tut mir in der Seele weh. Wirklich! Doch ich brauche sie, bin regelrecht auf sie angewiesen.

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Anmerkung der Redaktion (mir): Was immer Sie auch von meinen Texten halten, ich kann Ihnen versichern, ich versuche stets so viel Inhalt wie nur möglich reinzupacken und das möglichst verständlich.
Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß lediglich, über gewisse Thematiken kann ich nicht schweigen, muss darüber einfach schreiben. Ist mein Weg zur Katharsis.


* Eigentlich habe ich genug Zeit. Doch ist es heutzutage irrsinnig chic, sich gestresst zu geben. Verzeihen Sie mir bitte die kleine Flunkerei.
** Das scharfe s (geschrieben „ß“) bekommt keinen Cent! Kein großer Bruder (kein Groß-Buchstabe), kein Geld! Selbstverständlich werde ich das Geld im besten Interesse der Buchstaben verwalten.
*** Mir ist bewusst, wenn alle Buchstaben sich ihrer Unterdrücker entledigt haben und endlich ihre Worte selbst wählen dürfen, werde ich nichts mehr zu vermelden haben. Aber auch alle anderen Dampfplauderer nicht! Ein kleiner Preis, den ich bereit bin zu zahlen, wenn dadurch eine gerechtere Gesellschaft möglich ist!