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„Ikonen sind Kultbilder der griechisch-orthodoxen Kirche. Sie werden gewöhnlich mit Temperafarben oder auch unter Verwendung von Blattgold auf Holz gemalt.“ Kommt das jemandem bekannt vor? Wahrscheinlich nicht. Das dürfte vielleicht am Durchschnittsalter des jeweiligen Lesers liegen. Dies Zitat (kein Plagiat, hier folgt die Quellenangabe:) stammt aus der Hörspielfolge 20 „Die drei ??? und die flammende Spur“, die ich ca. 1980 zum ersten Mal und danach sicher bis zum jetzigen Zeitpunkt mindestens 300 Mal gehört habe. Weitere Definitionen gefällig, die ich nicht bei Wikipedia nachschauen muss, sondern immer noch auswendig weiß? 
Ein „Dingo“ ist ein australischer Windhund und ein „Billabong“ ist das australische Wort für Gewässer (beides aus Folge 17 „Die drei ??? und die gefährliche Erbschaft“). Da soll noch einer sagen, nur Lesen oder Reisen bildet! Zum Zeitpunkt meiner größten Hörvergnügen brauchte ich keine Reisen, denn ich war ja ständig mit den drei Jungs aus Kalifornien in der Nähe von Los Angeles unterwegs, hatte schönstes Wetter und lernte ständig neue Begriffe und Definitionen sowie eine Menge dubioser Leute kennen.
Das prägt.

Wie kommt ein kleines blondes Etwas dazu, sich für jungenhafte Detektivgeschichten zu interessieren? 1980 starb der Filmemacher und mein späteres Idol Alfred Hitchcock. Dies interessierte mich bis zum damaligen Zeitpunkt nicht die Bohne, als ich meine erste Kassette der „Die drei ???“ (und das Gespensterschloss; Folge 11) von meiner Mutter mit den Worten überreicht bekam: „Schade, dass Herr Hitchcock nun nicht mehr lebt. Mit deinen strohblonden Haaren hätte er dich bestimmt gern in einem seiner Filme gehabt.“ Und schon war es um mich geschehen! Man muss zwei Dinge hinzufügen: 
1. Für die Hörspielserie wurde von Alfred Hitchcock noch zu seinen Lebzeiten die Lizenz erworben, seinen Namen zu verwenden (über jedem Kassettentitel prangte der Name Hitchs und wirkte sich damals sehr auf den Bekanntheitsgrad der Serie aus). 
2. Hitchcock hat fast ausschließlich mit Blondinen als Schauspielerinnen gearbeitet, soll sie sogar bevorzugt engagiert haben und mit meinen 10 Lebensjahren war ich äußerlich blonder als alle Marilyn Monroes, Grace Kellys oder Jayne Mansfields, die es je gab.
Auf einen Schlag wurde ich also Hitch- und Hörspiel-Fan. Und die Verbindung beider waren Justus, Peter und Bob.

Mit meiner besten Schulfreundin aus Grundschulzeiten hatte ich Anfang der 80er Jahre eigene Hörspiele auf Kassetten aufgenommen. Da war Fernsehen noch nicht „cyberspace“ig und soundtechnisch ausgereift und wir hatten uns sowieso eher für „Die Mädels vom Immenhof“ oder „Ferien auf Saltkrokan“ interessiert und für alles, wofür wir die unverdorbene Jugend in späteren Jahren beneiden würden. Unsere Audioaufnahmen spielten auf einem Reiterhof (Ideen, die ich durch etliche Aufenthalte auf Ponyhöfen im Gedächtnis hatte), weil Mädels Pferde liebten und weil Hufklappern so schön durch das Zusammenschlagen ockerfarbener Tupperware-Becher nachgeahmt werden konnte. Meine Stimme auf Band fand ich schon damals komisch. Ich kann mich auch gar nicht entsinnen, jemals keine Altstimme gehabt zu haben. Ich glaube, sie ist schon immer so gewesen.
Da war es Jahre später nur förderlich, dass sich meine Stimme sehr gut zum Vertonen von Texten, Beiträgen oder Werbespots eignet. Ich habe außerdem auch früher schon gern vorgelesen (einmal sogar in der 5. Klasse bei einem  plattdeutschen Lesewettbewerb gewonnen), eine sehr reine und klare Aussprache und eine gute, tiefe Vertonerstimme. Gern hätte ich als Hörspielsprecherin gearbeitet, aber lernte spätestens im Praktikum bei der Deutschen Welle in Berlin, dass es dazu eines ausgebildeten Schauspielers bedarf. Diese Ausbildung hatte ich nicht absolviert, haben mir Assistenz-Tätigkeiten an bayerischen Theatern genügt, um genügend Rampensäue und narzistische Mimöschen kennenzulernen.

Als prä-pubertierendes Etwas wusste ich nicht, wohin mit meiner überschüssigen Energie und gründete eine Bande. Da hatte ich wohl schon zuviel „Vorstadt-Krokodile“ oder „Fünf Freunde“ gesehen und glaubte an zahlreiche Abenteuer in der norddeutschen Tiefebene. Ich ging allen Ernstes mit einer handgeschriebenen Visitenkarte, auf der der Name meiner Freunde und mein Name zu finden waren, sowie einem zusätzlichen Dokument (das ich durch das Hören der „???“ schon auswendig konnte) zur lokalen Polizeistation mit der Bitte, Folgendes zu unterzeichnen und mit einem offiziellen Stempel zu versehen:
"Der Inhaber dieses Ausweises ist ehrenamtlicher Junior-Assistent der Polizeidirektion von S. (Name öffentlich nicht ausgeschrieben, da nicht für die Öffentlichkeit bestimmt). Die Behörde befürwortet jegliche Unterstützung von dritter Seite." Gezeichnet…
Natürlich wurde nichts unterzeichnet oder abgestempelt. Ich wurde – auch mit meiner schon damals tiefen und eindringlichen Stimme – nicht ernst genommen. Oder waren es die strohblonden Haare, die mich eher wie ein Lausbub aussehen haben lassen? Ich weiß es nicht.
Auf jeden Fall habe ich mich von meinem Vorhaben, Ungereimtheiten der näheren Umgebung ins Reine bringen zu wollen, nicht abbringen lassen. Fleißig informierte ich die Polizei über potentielle „Fälle“: einmal fanden wir ein geklautes Fahrrad, ein anderes Mal meldeten wir ein „versenktes“ Mofa, das wir in einem Wasserschutzgebiet aufspürten und ein weiteres Mal durchstöberten wir ein ausgebranntes Lagerfeuer, in dem wir verbranntes Menschenhaar zu entdecken glaubten. Ich habe mich regelrecht als die 2. Justine gesehen und gefühlt.

Leichte Ernüchterung trat ein, als ich erfuhr, dass es keinen realen Ort namens Rocky Beach gäbe. Aus filmtechnischen Gründen trieb es mich 2002 ins südliche Kalifornien. Dort habe ich Rocky Beach selbst auch nicht finden können (dieser Ort ist erfunden und wird es bis auf weiteres auch sicher bleiben). Als ich 3 Monate im sonnigen Kalifornien (genauer gesagt im ver“smog“ten Los Angeles) lebte, befand ich mich medientechnisch eher auf den Spuren Hitchcocks als auf denen der drei Amateur-Detektive. Aber da war ich auch schon über 30, dennoch treuer Freund der anhaltend teenagerhaften drei Detektiv-Freunde. Dass sich meine Board-Shorts zum Wellenreiten des Labels „Billabong“ vom australischen Wort für Gewässer ableiteten, war mir in Fleisch und Blut übergegangen. Vielleicht macht das Wellenreiten mit „Billabong“-Shorts daher besonders viel Spaß.

Einer meiner Mitbewohner in München hat meine Schwäche für die drei Spürnasen erkannt und die ersten 75 Folgen auf CD gebrannt mit der Anmerkung, dass die Musik der neuen Folgen (seitdem es diesen sich ewig hinziehenden Rechtsstreit über die Tantiemen des ursprünglichen Komponisten gibt und die „Original“-Lieder nicht mehr auf den Folgen verwendet werden dürfen) von mir bitte nicht zu laut zu hören sein solle, da die neuen Klänge  unzumutbar seien. Daran habe ich mich auch gehalten (an dieser Stelle ein ungeheures Dankeschön an Tom, der meine Zuneigung diesen Hörspielen gegenüber verstanden und unterstützt hat) und höre nur die Tracks der alten Folgen laut oder die Melodie meines Mobil-Telefons, denn der Original-Sound (gepfiffener Track) ist mein Haupt-Klingelton. Diesen habe ich wahrhaftig von der Original-Musik-Kassette (Folge 29 auf gelber Ummantelung) auf digitales Medium übertragen lassen, nur um die ersten 30 Sekunden als Klingelton nutzen zu können. Das war vielleicht ein Unterfangen... Aber demzufolge konnte ich die Kassette für gutes Geld bei ebay verkaufen – und es freute sich noch ein anderer über das mehr als 30 Jahre alte Erzeugnis.

Einen weiteren kleinen Dämpfer in Bezug auf „Die drei ???“ und deren Kultstatus bekam ich vor einigen Jahren beim Besuch des Vollplaybacktheaters, das jeweils eine Folge der drei Junior-Detektive live auf der Bühne nachspielt und dabei eine Menge Faxen macht. Zu diesem Zeitpunkt waren die Hörspiele noch nicht so „hip“ und die Räumlichkeit gut besucht aber nicht vollkommen überfüllt. Das teilweise sehr unter die Gürtellinie gehende Ensemble des Vollplaybacktheaters erfreute sich an diesem Abend großer Beliebtheit, aber mir war es nicht authentisch genug – zu kitschig und auf neuartig getrimmt. Dieser Abend war einer der wenigen, an dem ich eine Veranstaltung vorzeitig verließ. Ich habe es nie bereut.
Ausgeglichen wurde dieser kleine Rückschlag durch einen weiteren Besuch einer Live-Veranstaltung. Die Sprecher der drei Fragezeichen waren auf Lesetour im Bundesgebiet und machten auch in München in der Muffathalle Halt. Da die drei Vortragskünstler aus rechtlichen Gründen nur unter bestimmten Voraussetzungen als „Die drei ???“ live agieren und sich daher nicht bei jedem gemeinsamen Auftritt als Justus, Peter und Bob vermarkten dürfen, traten Oliver, Jens und Andreas nicht als Amateurdetektive auf, sondern lasen aus ihren Lieblings-Liebesgedichten und –geschichten. Es war himmlisch, sie auf der Bühne zu sehen. Ich lauschte mit offenen oder auch geschlossenen Augen. Mein Mund ließ sich jedenfalls vor lauter Staunen die ganze Zeit nicht schließen. 

Zu guter Letzt noch ein cleverer Schachzug eines Mega-Fans. 2009 erschien zum Jubiläum das erste autorisierte Buch „30 Jahre Hörspielkult“, welches sich mit dem Phänomen der drei Spürnasen, den Vertonungen in Hamburg und dem ganzen Kult um die Hörspielserie befasst. Dieses Buch wurde aus (wiedermal) irgendwelchen rechtlichen Gründen nach einem Jahr nicht mehr aufgelegt und man kann nur die schon gedruckten Exemplare erwerben. Zum Erscheinen lag der Preis bei ca. 20€ und ich hatte die Chance verpasst und es mir nicht gekauft. Ich verfolgte den ebay-Markt. Im Durchschnitt erhielten die Verkäufer zwischen 25 und 35€ für ein Einzelstück. Ein – für mich relativ dummer, da nicht den Markt beobachtender – Anbieter stellte das Buch zum Sofort-Kauf-Preis von 10€ ein. Da schlug ich zu. Ich las das Buch, es war sehr interessant und erhellend, aber nach Abwägung aller Kriterien nicht etwas, das ich unbedingt behalten müsse. Ich stellte es bei ebay ein – und das letzte Gebot brachte mir 47€. Noch Fragen?

Auf den Spuren der Spürnasen aus Rocky Beach werde ich sicher mein Leben lang sein und das mit Herz und Seele. Ein technischer Mitarbeiter der „Drei ???“ teilte im besagten Kultbuch mit, er sei ein HARDCORE-FREAK in Bezug auf „Die drei ???“, da er auch nach über 30 Jahren noch alle Fälle hört und nicht genug bekommen könne. Wie verbindend, denn ich dachte schon, ich sei die einzige Verrückte unter den Genießern, höre die Fälle auf U-Bahn-Fahrten oder am Laptop im Zug – und kriege nie genug.

Bild: qimono von Pixabay

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Zu guter Letzt

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Diese Ungerechtigkeit bereitet mir ein schlechtes Gewissen, es tut mir in der Seele weh. Wirklich! Doch ich brauche sie, bin regelrecht auf sie angewiesen.

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Anmerkung der Redaktion (mir): Was immer Sie auch von meinen Texten halten, ich kann Ihnen versichern, ich versuche stets so viel Inhalt wie nur möglich reinzupacken und das möglichst verständlich.
Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß lediglich, über gewisse Thematiken kann ich nicht schweigen, muss darüber einfach schreiben. Ist mein Weg zur Katharsis.


* Eigentlich habe ich genug Zeit. Doch ist es heutzutage irrsinnig chic, sich gestresst zu geben. Verzeihen Sie mir bitte die kleine Flunkerei.
** Das scharfe s (geschrieben „ß“) bekommt keinen Cent! Kein großer Bruder (kein Groß-Buchstabe), kein Geld! Selbstverständlich werde ich das Geld im besten Interesse der Buchstaben verwalten.
*** Mir ist bewusst, wenn alle Buchstaben sich ihrer Unterdrücker entledigt haben und endlich ihre Worte selbst wählen dürfen, werde ich nichts mehr zu vermelden haben. Aber auch alle anderen Dampfplauderer nicht! Ein kleiner Preis, den ich bereit bin zu zahlen, wenn dadurch eine gerechtere Gesellschaft möglich ist!