Breadcrumbs

Es gibt eine berühmte Antwort auf die Frage, ob die Toleranz ihre Feinde dulden muss. Sie stammt aus dem Jahr, in dem Europa in Trümmern lag, und sie lautet: nein. Unbegrenzte Toleranz, so das Argument, führt zum Verschwinden der Toleranz – also dürfe die tolerante Gesellschaft den Intoleranten gegenüber intolerant sein. Das klingt nach einer Lösung. Es ist eine Erleichterung: Endlich ein Freibrief. Vielleicht ist das der Grund, warum die Antwort so gerne zitiert und so selten geprüft wird.

Denn gelöst ist nichts. Damit die Toleranz intolerant sein darf, muss jemand bestimmen, wer die Intoleranten sind. Dieser Jemand bekommt ein bemerkenswertes Amt: Er entzieht anderen die Mittel, die allen gehören, im Namen aller, ohne alle zu fragen. Er steht damit über denen, die er schützt. Das Paradox ist nicht verschwunden. Es hat den Besitzer gewechselt – von der Toleranz zum Wächter der Toleranz. Und für den Wächter gibt es keinen Wächter. Man muss ihm vertrauen. Vertrauen war aber genau das, was man den Intoleranten gerade entzogen hat.

Doch selbst wenn man dem Wächter das Recht gäbe – ihm fehlte das Wissen. Sein Auftrag verlangt, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen: vorher, nicht nachher. Aber ob eine Bewegung die Freiheit beerdigt hätte, weiß man erst, wenn sie es getan hat. Oder eben nicht. Der Wächter muss auf eine Prognose hin verbieten, die sich nur überprüfen ließe, indem man nicht verbietet. Greift er zu früh, war der Schutz Unterdrückung. Greift er zu spät, war er keiner. Der richtige Moment existiert – aber nur im Rückblick. Und der Rückblick stimmt nicht mehr ab.

Was von der berühmten Lösung bleibt, ist eine Entscheidung, getroffen von jemandem, der weder die Befugnis haben kann noch die Erkenntnis. Das macht sie nicht falsch. Es macht sie zu dem, was sie immer war: keine Auflösung des Paradoxes, sondern eine Wahl zwischen seinen Hälften – getroffen im Blindflug, verkündet als Prinzip. Die Toleranz lässt sich nicht verteidigen. Sie lässt sich nur ausüben, auf eigenes Risiko, ohne Garantie und ohne Wächter. Wem das zu wenig Schutz ist, der hat recht. Mehr war nie im Angebot.

Trotzdem gibt es welche, die genau diese Lösung im Mund führen – meist die, die am lautesten nach Toleranz rufen. Wer so ruft, hat sich das Wächteramt schon selbst gegeben. Und der Wächter verteidigt die Toleranz nicht. Er drückt sie durch.

Ich bin von der leisen Sorte. Neulich hat einer neben mir jemanden übel rangenommen. Ich habe mich nicht eingemischt. Nicht aus Feigheit – aus Toleranz. Seit wann muss ich entscheiden, wer hier der Übeltäter ist? Ging mir, ehrlich gesagt, auch am Arsch vorbei. Das ist wohl wahre Toleranz.


Bild erstellt mit ChatGPT

Darf‘s a bisserl mehr sein?

Voll stillgestanden
Voll stillgestanden

Karl Marx meinte einmal:„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Ein Satz, der heute wirkt wie ein Systemhinweis für ein längst...

Voll überzeugt
Voll überzeugt

Die Demokratie verbietet es, den Wähler zu zwingen. Ihn zu überzeugen ist erlaubt. Wo das Überzeugen endet und die Manipulation beginnt, sagt sie nicht. Sie kann es auch nicht sagen, ohne eine...

Voll atemlos
Voll atemlos

Nur klein ist der Unterschied zwischen einem Steuer- und Kriegsflüchtling.Der eine ertränkt sein Geld im Champagner, der andere seine Freiheit im Meer. Nur klein ist der Unterschied zwischen...

Zu guter Letzt

Das Betreiben meiner Internetseite kostet Geld, vor allem aber Zeit. Von dem einen habe ich weniger als vom anderen.*
Trotz dieser Mängel arbeite ich hart an meinen Texten, auch wenn der ein oder andere zuweilen nicht gelingen mag. Sollten Sie also an redigierten Texten oder gar faktenbasierten Inhalten interessiert sein, besuchen Sie eine der vielen Online-Tageszeitungen – die bieten in dieser Hinsicht deutlich mehr.

Doch für meine Unzulänglichkeiten können die Buchstaben nichts. Und auch wenn sie bei der Gestaltung meines Inhalts kein Mitspracherecht haben - sie arbeiten schließlich für mich! - möchte ich Ihnen ein guter Chef sein. Denn die armen Buchstaben machen wortlos, was ich ihnen auftrage, ja sie stehen zu mir. Sie schuften hart, bekommen keinen Lohn, sind nicht einmal krankenversichert.
Diese Ungerechtigkeit bereitet mir ein schlechtes Gewissen, es tut mir in der Seele weh. Wirklich! Doch ich brauche sie, bin regelrecht auf sie angewiesen.

Ohne Buchstaben keine Worte, keine Texte und folglich kein NONrelevant.

Meine Buchstaben erfüllen täglich brav ihr Werk, ohne zu murren. Allerdings werde ich es aus eigener Kraft nicht schaffen, sie gerecht – beziehungsweise überhaupt – zu entlohnen.

Fassen Sie sich also ein Herz und helfen Sie mir, den Buchstaben zu helfen. Spenden Sie jetzt!

Ihr Geld fließt direkt und ohne Umwege an meine 26 lateinischen Helfer.** Versprochen!
Je mehr Sie spenden, desto wahrscheinlicher ist es, dass meine armen Buchstaben sich irgendwann in Zukunft vielleicht eine eigene Existenz aufbauen können und endlich ihre Worte frei wählen dürfen.
Verdient hätten sie es! ***


(Das ist übrignes ein Spenden-Button und möchte gedrückt werden. Ganz herzlich!)

Wenn Sie der Meinung sind, meine Texte sind Ihr Geld nicht wert und denken, Sie können es besser, dann helfen Sie mir halt anderweitig.

Wie?
Lesen Sie hier.


Anmerkung der Redaktion (mir): Was immer Sie auch von meinen Texten halten, ich kann Ihnen versichern, ich versuche stets so viel Inhalt wie nur möglich reinzupacken und das möglichst verständlich.
Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß lediglich, über gewisse Thematiken kann ich nicht schweigen, muss darüber einfach schreiben. Ist mein Weg zur Katharsis.


* Eigentlich habe ich genug Zeit. Doch ist es heutzutage irrsinnig chic, sich gestresst zu geben. Verzeihen Sie mir bitte die kleine Flunkerei.
** Das scharfe s (geschrieben „ß“) bekommt keinen Cent! Kein großer Bruder (kein Groß-Buchstabe), kein Geld! Selbstverständlich werde ich das Geld im besten Interesse der Buchstaben verwalten.
*** Mir ist bewusst, wenn alle Buchstaben sich ihrer Unterdrücker entledigt haben und endlich ihre Worte selbst wählen dürfen, werde ich nichts mehr zu vermelden haben. Aber auch alle anderen Dampfplauderer nicht! Ein kleiner Preis, den ich bereit bin zu zahlen, wenn dadurch eine gerechtere Gesellschaft möglich ist!

Wir benutzen Cookies
Wir verwenden auf NONrelevant ein paar Cookies, um Ihr Nutzerverhalten besser verstehen zu können. Das machen wir selbstverständlich nur, damit wir unser Angebot für Sie laufend optimieren können.

Sollten Sie uns aber unter keinen Umständen helfen wollen, unser Angebot ausschließlich für SIE zu verbessern, dann können Sie die Tracking-Cookies gerne ablehnen.

Mehr Informationen über das Sammeln Ihrer Daten, finden Sie in der Datenschutzerklärung.