Was kommt danach? Eine Frage, die in einer Demokratie nicht gestellt werden darf. Demokratie gilt als das Höchste, das eine Gesellschaft erreichen kann – eine Ordnung, an der alle teilhaben. Was sollte darauf noch folgen? Vielleicht will man die Frage auch nur nicht stellen, weil die Antwort zum Anfang zurückführt. Man stellt sich das Danach dunkel vor, fremd, chaotisch. Dabei ist es das Gegenteil. Danach kommt, was vorher war.
In jeder Gesellschaft bisher haben Wenige die Macht gebündelt. Der Adel, die Kirche, das Kapital, die Partei. Die Begründungen wechselten – Gott, Blut, Leistung, Geschichte –, die Bündelung nie. Der Mantel wechselt, das Darunter bleibt. Wer die Geschichte nach dem Ende einer Ordnung fragt, bekommt immer dieselbe Auskunft: Die Macht hat den Träger gewechselt und weitergemacht. Sie ist der einzige Bestandteil, der jede Revolution überlebt hat und überleben wird. Das Volk bäumt sich auf, kurz, dann ist es müde. Die Macht hat Zeit.
Die Demokratie hielt sich für das Ende dieser Reihe. Erstmals sollte die Macht nicht besessen, sondern nur verliehen werden – auf Zeit, auf Abruf, mit Rückgabepflicht. Ein schöner Gedanke. Nur: Verliehene Macht ist immer noch Macht, und sie sammelt sich, wo sie immer sich sammelte – bei denen, die organisieren, verwalten, verteilen. Das Volk wählt, wer sie bündelt. Dass sie gebündelt wird, steht nicht zur Wahl. Zur Wahl steht nur, wo.
Wer wissen will, was nach der Demokratie kommt, muss nichts prophezeien. Prophezeiungen kann man nicht widerlegen – nur abwarten. Die Macht hat noch jede Garderobe verlassen, in der man sie aufhängen wollte. Sie wird auch diese verlassen. Das Danach ist längst das Jetzt: eine Ordnung, die sich Volksherrschaft nennt. Dem Souverän bleibt ein einziger Tag. Die Demokratie ist nicht das Ende der Herrschaft. Sie ist ihre höflichste Form.
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