Bildungseliten studieren längst nicht mehr, um etwas zu verstehen. Verstehen ist ja ein energetisch suboptimaler kognitiver Prozess und aus kapitalistischer Sicht eher störend. Stattdessen wird epistemisches Distinktionsmaterial zunehmend performativ externalisiert: Wissen als semiotisch aufgeladenes Statusartefakt, das weniger der Erkenntnis dient als der sozialen Selbstverortung.
Man erkennt das sofort an der lexikalischen Verdichtung. Polysyllabische Fremdlexeme, terminologische Spiralen, zeremoniell verquirlt, semiotisch aufgeschäumt, die aber außerhalb des akademischen Echoraums keinerlei ontologische Traktion besitzen. Sprache wird nicht mehr zur Verständigung genutzt, sondern zur sozialen Kartografierung: Zugehörigkeit durch Terminologie, Exklusion durch Vokabular.
So wird Wissen nicht geteilt, sondern in ritualisierter Form exekutiert. Was in der Philosophie „Dilemma“ heißt, nennt die BWL „Zielkonflikt“, die Soziologie „Ambivalenzkonstellation“ und außerhalb des akademischen Habitats bleibt es einfach ein Zwiespalt. Der sich bloß wundert, warum er plötzlich vier Namen hat.
Reiche grenzen sich über Geld ab, Humanisten über den Anspruch moralischer Überlegenheit und im Studium geschieht es eben über Wissen: ein Distinktionsmerkmal, das Zugehörigkeit markiert und sich mit etwas Glück sogar monetarisieren lässt. Bildung, die eigentlich emanzipatorisch wirken sollte, mutiert zur diskursiven Zugangskontrolle.
Dabei wäre es fast schon trivial: Wer etwas wirklich verstanden hat, kann es ohne terminologische Aufrüstung erklären. Wissen wäre dann ein Werkzeug, kein Fetisch, kein symbolisch übercodiertes Distinktionsobjekt, kein akademischer Talisman gegen die Angst vor der eigenen Ahnungslosigkeit.
Aber Fetische lassen sich eben besser herumtragen — besonders, wenn sie epistemisch, semiotisch und performativ simultan resonieren.
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