Karl Marx meinte einmal:
„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“
Ein Satz, der heute wirkt wie ein Systemhinweis für ein längst eingestelltes Betriebssystem: gut gemeint, aber ohne jede Relevanz für die aktuelle Version der Realität.
Wir interpretieren weiter. Wir interpretieren alles. Wir interpretieren sogar unsere eigene Empörung, bis sie aussieht wie eine Leistung. Wir zeigen auf Missstände, auf die schon so viele so oft gezeigt haben, dass sie inzwischen zu sinnentleertem Content geworden sind, den man wegscrollt. Korruption hier, Einschränkung da, Freiheit irgendwo zwischen AGB und Datenschutzrichtlinien eingeklemmt. Und wir?
Wir motzen. Das letzte, was wir noch können, ohne uns zu überanstrengen.
Rousseau hat das schon vor Jahrhunderten zusammengefasst:
„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“
Die Ketten sind längst optional, doch tragen wir sie freiwillig, weil sie so gut zu unseren Profilbildern passen. Freiheit ist ein Cookie‑Banner, das man reflexhaft wegklickt, damit der Strom aus unnützem Content ungestört weiterrauschen kann.
Und ich?
Ich sitze hier, schaue auf all das und merke, wie mich diese kollektive Passivität mürbe macht. Wir wissen alles, wir sehen alles. Wir reden die Kritik tot — und bewegen nichts. Wir laufen sehenden Auges weiter gen Untergang; immerhin nicht schweigend, sondern likend und kommentierend. Das ist vermutlich unsere letzte verlässliche Form von Aktivismus, bevor wir endgültig abstürzen. Ein digitaler Chor im Abgrund, den niemand mehr hören wird.
Und während ich das schreibe, dämmert mir der eigentliche Witz: Tja. Jetzt bin ich auch wieder nur einer von vielen, der seinen Frust in einen weiteren Text umwandelt.
Ich bin empört – nachhaltig!
Bild erstellt mit Grok
