Seit Jahren stehen Kühe als Klimasünder am Pranger. Und mit jedem weiteren Furz kocht die Debatte weiter hoch. Methan ist ein starkes Treibhausgas. Pro Kuh kommen täglich beachtliche Mengen zusammen. Experten betonen allerdings: Das sei schlicht Biologie. Auch blöde Rindviecher funktionieren eben nach Plan. Ihre Verdauung lässt sich nicht wegmoderieren, auch nicht mit dem Spezialvokabular der Weltklimakonferenzen. Am Ende bleibt die Natur unbeeindruckt von politischer Symbolik.
Nun die Wende: Experten haben herausgefunden, dass politische Ausdünstungen die Umwelt deutlich stärker belasten. Nicht wegen Methan, sondern wegen der enormen Menge heißer Luft, die bei Reden, Interviews und Talkshows freigesetzt wird. Besonders hohe Spitzenwerte treten im Wahlkampf und in der Nähe von Kameras auf. Aus einem einzigen Satz entsteht in Rekordzeit eine Wolke aus Floskeln, Relativierungen und Verantwortungsdiffusion, die sich wie Feinstaub über jedes Thema legt.
Während Kuhmethan lediglich aus Verdauung entsteht, wird politische Luft künstlich am laufenden Band hergestellt: aus Schuldverschiebungen und den Rohstoffen „Wir prüfen das“ oder „Wir nehmen das sehr ernst“. Der immer gleiche Mist wird morgens in Interviews ausgeatmet, abends in Talkshows wieder ein. Man könnte diesen Wahnsinn Recycling nennen. Das Problem ist nur: Dazwischen wird das Zeug in die Atmosphäre entlassen – und genau in dieser Zeit vergiftet es das gesellschaftliche Klima. Und weil das offiziell als „Kommunikation“ gilt, taucht es in keiner Klimabilanz auf. Im Gegenteil, es zählt sogar als erneuerbar, weil sich derselbe Mist alle vier Jahre zuverlässig reproduziert.
Damit das nicht weiter eskaliert, tüfteln Forscher bereits an einem Messgerät für dumme Ausdünstungen. Sobald ein kritischer Wert erreicht ist, sollen Mikrofone und Kameras automatisch stummgeschaltet werden – nicht aus Zensur, sondern zur Selbstverteidigung des öffentlichen Klimas. Meteorologen warnen bereits vor „kommunikativen Hitzewellen“, die ganze Debattenräume austrocknen können.
Während irgendwelche Experten weiter an technischen Lösungen arbeiten, hat sich die Bevölkerung längst an die ständige Grundbelastung gewöhnt. Politische heiße Luft gilt inzwischen als unvermeidbarer Hintergrundwert des Diskursklimas. Der Inhalt schrumpft immer weiter, während die heiße Luft exorbitant wächst. Der Kreislauf ist stabil, nur die Rindviecher stehen weiterhin am Pranger – obwohl sie im Vergleich erstaunlich effizient arbeiten.
Hinweis für klagewütige Politiker: In diesem Artikel wurde peinlichst genau darauf geachtet, dass Politiker nicht mit Rindviechern verglichen werden. Denn NONrelevant ist sehr daran gelegen, das völlig überlastete Rechtssystem nicht noch weiter zu belasten.
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI)

