Grund und Boden sind in den Großstädten knapp, und auch die Friedhöfe bekommen das zu spüren. Die Flächen sind belegt, neue kaum noch verfügbar. Gleichzeitig altert die Gesellschaft, der Nachschub an Verstorbenen reißt nicht ab. Ein mittelständischer Bestatter hat deshalb ein Konzept vorgelegt, das dem Problem mit den Mitteln der Zeit begegnet.
Vorbild ist der Parkplatz. Gräber sollen künftig in Duplex-Bauweise angelegt werden, bis zu vier Särge übereinander. Der Platzgewinn ist erheblich.
Der eigentliche Fortschritt liegt im Betrieb. Besucher werden am Eingang identifiziert. Das zugehörige Grab fährt daraufhin an eine zentrale Ausgabestelle. Der Grabstein ist ein Display. Die Standardversion zeigt Namen und Lebensdaten, in höheren Tarifen zusätzlich Erinnerungen.
Bestattungen lassen sich künftig auch per Videokonferenz verfolgen. Der Sarg steht unter einer fest installierten Kamera, die Trauerrede wird gestreamt. Teilnehmer können von überall zuschalten – aus der U-Bahn, auf dem Weg zur Arbeit oder vom Homeoffice aus. Über die Chatfunktion lassen sich Kondolenzen in Echtzeit posten. Anschließend wird ein Teilnahme-Zertifikat automatisch an die hinterlegte E-Mail-Adresse versandt.
Die Vorteile, so der Bestatter, lägen vor allem bei den Lebenden. Jogger könnten die Anlage endlich ungestört nutzen. Wer nicht mehr gut zu Fuß ist, muss den Friedhof nicht länger überqueren. Die Toten kommen zu ihm. Bei Regen bleibt der Trauernde im Trockenen. Blumen werden überflüssig.
Bild erstellt mit Grok

