Regierung prüft Schockbilder auf Panzern und Raketen
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Regierung prüft Schockbilder auf Panzern und Raketen

Neue Studie zeigt bedauerliches Statistikproblem: Mehr Waffen führen überraschend zu mehr Toten

Berlin (NON) – Damit konnte nun wirklich niemand rechnen: Eine „neue Studie“ eines sicher sehr unabhängigen Experten hat herausgefunden, dass mehr Waffen offenbar doch nicht zu mehr Frieden, sondern im Gegenteil zu mehr Krieg und Tod führen.
Um diese völlig unerwartete Erkenntnis künftig besser zu kommunizieren, plant die Bundesregierung nun, auf Taurus-Raketen, Panzern und Handfeuerwaffen Warnhinweise wie auf Zigarettenpackungen anzubringen.
„Waffen töten“, „Jeder Schuss könnte Ihr letzter sein“, „Panzer können zu dauerhafter Nicht-Atmung führen“ oder „Benutzung nur, wenn Sie persönlich bereit sind, vorne mit dabei zu sein“ stehen als Entwürfe bereits im Raum.

Ekelbilder für den Frieden

Strittig ist noch, ob neben Textwarnungen auch abschreckende Bilder vorgeschrieben werden sollen – etwa von zerbombten Städten, traumatisierten Kindern oder weinenden Finanzministern, weil der Verteidigungshaushalt schon wieder erhöht werden muss. „Wir wissen nicht, ob ein einfacher Aufdruck ausreicht“, erklärt eine Friedensforscherin. „Studien zeigen: Menschen lesen Warnhinweise meist erst dann, wenn es schon zu spät ist.“

Im Bundestag stößt die Idee auf Ablehnung. Verantwortung ja, aber bitte nur bis zur eigenen Bürotür. An die tatsächliche Front wollen die lautesten Waffenbefürworter weiterhin nicht. „Wir kämpfen hier im Plenarsaal bereits an vorderster Front“, so ein Abgeordneter. „Das ist quasi wie Krieg, nur mit besserem Catering.“

Grünen-Sprecher irritiert: „Mehr Waffen = mehr Frieden. Ist doch logisch!“

Besonders irritiert über den Vorschlag zeigt sich die Friedenspartei Bündnis 90/Die Grünen. „Wir sind schockiert über diese Studie“, so ein Sprecher. „Seit wann führen mehr Waffen zu mehr Gewalt? Unser gesamtes sicherheitspolitisches Weltbild basiert auf dem Satz: Mehr Waffen, mehr Frieden, mehr Freiheit, mehr Demokratie. Wenn das nicht mehr gilt, müssen wir ja unsere Wahlplakate neu drucken!“ Ein humanistischer Verrenkungsakt.

Auch wirtschaftlich seien Warnhinweise problematisch, gibt ein Pressesprecher von Rheinmetall zu bedenken: „Wenn auf unseren Produkten plötzlich draufsteht, dass sie Menschen töten, könnten die Kunden denken, das sei schlecht.“

Statt Warnhinweisen schlägt der Konzern daher positive Botschaften vor wie „Waffen schaffen Arbeitsplätze“ oder „Mit jedem Schuss ein Euro mehr fürs BIP“.

Papst irritiert Friedensexperten

Für zusätzliche Verwirrung sorgte kürzlich der Papst, der erneut zu mehr Frieden in der Ukraine aufrief. Ein grüner Außenpolitik-Experte zeigte sich ratlos: „Wir verstehen diese Forderung nicht. Die Ukraine verteidigt doch gerade die Freiheit und Demokratie in ganz Europa – und nebenbei das Geschäftsmodell der deutschen Rüstungsindustrie. Wie kann man da allen Ernstes von Frieden sprechen?“

In Parteikreisen wird bereits diskutiert, ob man den Papst als „unsolidarischen Neutralitäts-Populisten“ einstufen müsse.

Social-Media-Kampagne gegen die Realität

Parallel dazu bereiten Kommunikationsstrategen eine Kampagne vor: Auf X (vormals Twitter) und Facebook soll ein emotionaler Spot geteilt werden, in dem ein Panzer in Zeitlupe in den Sonnenuntergang fährt, während eine warme Sprecherstimme flüstert:

„Waffen schaffen Sicherheit. Sicherheit schafft Freiheit. Freiheit schafft Wohlstand. Und Wohlstand schafft Spenden.“

Kritische Hinweise, dass Waffen in erster Linie Löcher in Menschen und Häuser machen, sollen durch clevere Slogans und Hintergrundmusik in Dur übertönt werden. Denn eins ist sicher: Solange gut gebaute Werbeslogans die Wahrheit überschallen – ja, solange ist alles gut.


Illustration: Extrablatt-Redaktion – KI-Grafik (GPT-5), 2025

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