Bei jedem Softwareupdate, bei jeder Anmeldung im Netz dieselbe Farce: Akzeptieren Sie die AGB. Welch Triumph der Freiheit! Ich darf zustimmen – oder draußen bleiben. Ein Wahlrecht wie in der DDR – formal da, praktisch bedeutungslos.

Freiheit, wie wir sie aus unserer Demokratie kennen. Wir dürfen wählen, ja. Zwischen Parteien, die alle dasselbe Kauderwelsch im Kleingedruckten führen: Akzeptiere diese Spielregeln, sonst bist du raus. Alle vier Jahre, wie in einem Pop-up-Fenster, irgendwelche Haken setzen und hoffen, unsere Demokratie sei demokratisch, hilft auch nicht weiter. Denn irgendwo im Kleingedruckten findet sich der Passus: „Diese Gesellschaftsform steht Ihnen leider nicht zur Verfügung.“

Die AGB der digitalen Welt sind nur die weniger heuchlerische Version dessen, was uns politisch vorgegaukelt wird. Freiheit ist zum Software-Update verkommen: unvollständig und irgendwer fern jeder demokratischen Kontrolle hat längst entschieden, wie es zu laufen hat. Ablehnen? Natürlich möglich. Aber dann bleibt nur der Ausschluss, Schweigen, Nicht-Teilhaben. 

Bestätigen ist Demokratie.

So frei sind wir: Bürger als Endnutzer, Demokratie als AGB, die niemand liest, aber alle unterschreiben müssen. Willkommen im Land der unbegrenzten Zustimmung.

Ja, wir sind frei – solange wir das Wort der Mächtigen bedingungslos akzeptieren. Dieses Muster ist übrigens älter als jede Software; es steht bereits in der Bibel. Und wie sollen sich Menschen in unserer christlich geprägten Welt 2.000 Jahren Religion erwehren? Denn dort steht geschrieben: Wer Gottes Wort kürzt oder ergänzt, ändert nicht nur den Sinn, sondern wird von Gottes Plagen heimgesucht.* Und gute Christen wissen: Sich mit der Kirche anzulegen, ging noch nie gut aus.

Kein Wort dazu, kein Wort weg. Einfach akzeptieren. Die Ur-AGB der Menschheit.

Amen!


* 5. Mose 4,2: „Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und nichts davon wegnehmen…“ oder in der Offenbarung 22,18–19: „Wer etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen zufügen… und wer etwas wegnimmt, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens wegnehmen.“


Illustration: GPT-5 / OpenAI

Zu guter Letzt

Das Betreiben meiner Internetseite kostet Geld, vor allem aber Zeit. Von dem einen habe ich weniger als vom anderen.*
Trotz dieser Mängel arbeite ich hart an meinen Texten, auch wenn der ein oder andere zuweilen nicht gelingen mag. Sollten Sie also an redigierten Texten oder gar faktenbasierten Inhalten interessiert sein, besuchen Sie eine der vielen Online-Tageszeitungen – die bieten in dieser Hinsicht deutlich mehr.

Doch für meine Unzulänglichkeiten können die Buchstaben nichts. Und auch wenn sie bei der Gestaltung meines Inhalts kein Mitspracherecht haben - sie arbeiten schließlich für mich! - möchte ich Ihnen ein guter Chef sein. Denn die armen Buchstaben machen wortlos, was ich ihnen auftrage, ja sie stehen zu mir. Sie schuften hart, bekommen keinen Lohn, sind nicht einmal krankenversichert.
Diese Ungerechtigkeit bereitet mir ein schlechtes Gewissen, es tut mir in der Seele weh. Wirklich! Doch ich brauche sie, bin regelrecht auf sie angewiesen.

Ohne Buchstaben keine Worte, keine Texte und folglich kein NONrelevant.

Meine Buchstaben erfüllen täglich brav ihr Werk, ohne zu murren. Allerdings werde ich es aus eigener Kraft nicht schaffen, sie gerecht – beziehungsweise überhaupt – zu entlohnen.

Fassen Sie sich also ein Herz und helfen Sie mir, den Buchstaben zu helfen. Spenden Sie jetzt!

Ihr Geld fließt direkt und ohne Umwege an meine 26 lateinischen Helfer.** Versprochen!
Je mehr Sie spenden, desto wahrscheinlicher ist es, dass meine armen Buchstaben sich irgendwann in Zukunft vielleicht eine eigene Existenz aufbauen können und endlich ihre Worte frei wählen dürfen.
Verdient hätten sie es! ***

(Das ist übrignes ein Spenden-Button und möchte gedrückt werden. Ganz herzlich!)

Wenn Sie der Meinung sind, meine Texte sind Ihr Geld nicht wert und denken, Sie können es besser, dann helfen Sie mir halt anderweitig.

Wie?
Lesen Sie hier.


Anmerkung der Redaktion (mir): Was immer Sie auch von meinen Texten halten, ich kann Ihnen versichern, ich versuche stets so viel Inhalt wie nur möglich reinzupacken und das möglichst verständlich.
Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß lediglich, über gewisse Thematiken kann ich nicht schweigen, muss darüber einfach schreiben. Ist mein Weg zur Katharsis.


* Eigentlich habe ich genug Zeit. Doch ist es heutzutage irrsinnig chic, sich gestresst zu geben. Verzeihen Sie mir bitte die kleine Flunkerei.
** Das scharfe s (geschrieben „ß“) bekommt keinen Cent! Kein großer Bruder (kein Groß-Buchstabe), kein Geld! Selbstverständlich werde ich das Geld im besten Interesse der Buchstaben verwalten.
*** Mir ist bewusst, wenn alle Buchstaben sich ihrer Unterdrücker entledigt haben und endlich ihre Worte selbst wählen dürfen, werde ich nichts mehr zu vermelden haben. Aber auch alle anderen Dampfplauderer nicht! Ein kleiner Preis, den ich bereit bin zu zahlen, wenn dadurch eine gerechtere Gesellschaft möglich ist!

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