Deutschland kann alles – vor allem Moral auf zwei Empörungsskalen gleichzeitig betreiben.

Ein Politiker sagt „Alles für Deutschland“. Historisch vergiftet, sagt man nicht. Ergebnis: Skandal, Anzeigen, Distanzierungen, Feuilleton-Notfallsitzung.
Person X nennt Impfgegner den „Blinddarm der Gesellschaft“. Historisch mehr als vergiftet. Aber X legt nach: Wer eine gewisse Partei wählt, handle gegen „deutsche Interessen“ – und hasse seine eigenen Kinder. Ergebnis: Applaus, Preise, Anerkennung.

Aber wenn man Kinder ins Spiel zieht, ist das keine Pointe mehr, sondern Moral-Munition: Wer will schon der Mensch sein, der „Kinderhass“ relativiert? So bauen sich die vermeintlich Guten ein Argument, das nicht überzeugen muss; nur moralisch detonieren. Propaganda-Grundkurs: Emotion vor Evidenz – notfalls fragen Sie Eduard Bernays. Der hat daraus eine Industrie gemacht.

Ich war bis dato der Meinung: Wer so spricht, überschreitet Grenzen, egal aus welcher Blase. Aber offenbar gilt: Es kommt nicht darauf an, was gesagt wird, sondern von wem. Bei Nazi-Codes werden die Guten plötzlich Historiker. Bei Entmenschlichung sind sie auf einmal Poetry-Slam-Jury: War doch nur Metapher. Das ist keine Konsequenz. Das ist Empörung nach Zuständigkeit.

Dabei ist die Metapher der eigentliche Kern: „Blinddarm“ ist nicht Kritik, das ist biologistische Entsorgungssprache. Gesellschaft ist ein Körper, Kritiker sind krankes Gewebe. Das ist kein Witz, sondern eine identitätspolitische Resektion.

Der Unterschied ist oft nicht der Satz, sondern die Zielscheibe.
„Impfgegner“ sind als Kategorie moralisch freigegeben – ein Feindbild-Abo, monatlich kündbar, aber meist automatisch verlängert. Wer auf sie einschlägt, gilt nicht als spaltend, sondern als „klar“. Verachtung wird zur „Haltung“, Ausgrenzung zur „Verantwortung“.

Natürlich: Historisch belastete Parolen in Reden sind gefährlich und müssen Konsequenzen haben – aber dann doch eigentlich für alle gleich, oder hat Justitia inzwischen Lieblingsfarben? Wenn wir also ernsthaft „aus der Geschichte gelernt“ hätten, wüssten wir: Es beginnt selten mit Marschmusik. Es beginnt damit, dass man Menschen sprachlich zu entbehrlichen Organen oder gar Abfall macht – und sich dabei noch für besonders anständig hält.

Moral, die nur bei den falschen Leuten scharf ist, ist keine Moral. Das ist Markenschutz: „Nie wieder“ als PR-Siegel – solange niemand die „guten“ Doppelstandards antastet.

Voll alles gut, oder?

Ich bin mir sicher, Sie ahnen, wer der Politiker ist, und ja: Sie ahnen, wer Person X ist. Aber X steht nicht nur für Sarah Bosetti – X steht als Stellvertreter für die unsägliche Menschenverachtung im öffentlichen Rundfunk und in den etablierten Medien.

Zu guter Letzt

Das Betreiben meiner Internetseite kostet Geld, vor allem aber Zeit. Von dem einen habe ich weniger als vom anderen.*
Trotz dieser Mängel arbeite ich hart an meinen Texten, auch wenn der ein oder andere zuweilen nicht gelingen mag. Sollten Sie also an redigierten Texten oder gar faktenbasierten Inhalten interessiert sein, besuchen Sie eine der vielen Online-Tageszeitungen – die bieten in dieser Hinsicht deutlich mehr.

Doch für meine Unzulänglichkeiten können die Buchstaben nichts. Und auch wenn sie bei der Gestaltung meines Inhalts kein Mitspracherecht haben - sie arbeiten schließlich für mich! - möchte ich Ihnen ein guter Chef sein. Denn die armen Buchstaben machen wortlos, was ich ihnen auftrage, ja sie stehen zu mir. Sie schuften hart, bekommen keinen Lohn, sind nicht einmal krankenversichert.
Diese Ungerechtigkeit bereitet mir ein schlechtes Gewissen, es tut mir in der Seele weh. Wirklich! Doch ich brauche sie, bin regelrecht auf sie angewiesen.

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Anmerkung der Redaktion (mir): Was immer Sie auch von meinen Texten halten, ich kann Ihnen versichern, ich versuche stets so viel Inhalt wie nur möglich reinzupacken und das möglichst verständlich.
Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß lediglich, über gewisse Thematiken kann ich nicht schweigen, muss darüber einfach schreiben. Ist mein Weg zur Katharsis.


* Eigentlich habe ich genug Zeit. Doch ist es heutzutage irrsinnig chic, sich gestresst zu geben. Verzeihen Sie mir bitte die kleine Flunkerei.
** Das scharfe s (geschrieben „ß“) bekommt keinen Cent! Kein großer Bruder (kein Groß-Buchstabe), kein Geld! Selbstverständlich werde ich das Geld im besten Interesse der Buchstaben verwalten.
*** Mir ist bewusst, wenn alle Buchstaben sich ihrer Unterdrücker entledigt haben und endlich ihre Worte selbst wählen dürfen, werde ich nichts mehr zu vermelden haben. Aber auch alle anderen Dampfplauderer nicht! Ein kleiner Preis, den ich bereit bin zu zahlen, wenn dadurch eine gerechtere Gesellschaft möglich ist!

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