+++

+++

Breadcrumbs

Berlin – Die Bundesregierung hat heute eine weitere Reform des Verpackungswesens beschlossen. Ziel sei es, „den Bürgerinnen und Bürgern ein Höchstmaß an Sicherheit, Reinheit und moralischer Stabilität zu gewährleisten“. Verpackungen dürfen künftig nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn sie nachweislich frei von Schadstoffen, Zweifeln und gestalterischen Fehlentscheidungen sind.

Der Inhalt selbst bleibt hingegen weiterhin Sache der Konzerne. Diese hätten, so heißt es aus Regierungskreisen, „über Jahrzehnte bewiesen, dass sie grundsätzlich nur das Beste für ihre Kundschaft wollen – sofern es die Shareholder nicht irritiert“.

Besonders im Lebensmittelbereich zeigt sich der Erfolg dieser Arbeitsteilung: Während Verpackungen streng kontrolliert werden, darf der Inhalt weiterhin aus Zucker, Aroma, billigem Fett und industriell konservierter Enttäuschung bestehen. Hauptsache, die Folie ist unbedenklich.

Da der Inhalt möglicherweise bald nicht mehr zum Verzehr geeignet ist, sollen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Damit Verbraucher nicht versehentlich das inzwischen gesündere Außenmaterial essen, müssen Umverpackungen künftig einen Warnhinweis tragen: „Diese Verpackung ist nicht zum Verzehr geeignet.“

Ein Sprecher betonte, dies diene ausschließlich der Orientierung. In Zeiten allgemeiner Verunsicherung müsse schließlich vor allem der äußere Schein gewahrt bleiben. Die Hülle unterliege daher strengsten Standards und genieße intern längst deutlich mehr Vertrauen als ihr Inhalt. Weiter erklärte er: „Es ist uns wichtig, hier Klarheit zu schaffen. Verpackungen dürfen einfach nicht krank machen und schon gar nicht die Umwelt schädigen – vor allem aber nicht den Eindruck erwecken, wir hätten uns beim Inhalt keine Mühe gegeben.“

Allerdings könnte sich das Problem mit dem Inhalt in naher Zukunft von selbst erledigt haben. Schon heute gilt die Mogelpackung als verlässliches Geschäftsmodell: außen groß, innen viel Luft, dazwischen die verblassende Erinnerung an bessere Zeiten. Wegen Inflation, Schrumpfportionen und kreativer Preispolitik dürfte sich das Wenige, was einst darin steckte, weiter verflüchtigen.

„Der Inhalt spielt ohnehin keine Rolle mehr“, so ein Handelsexperte. „Die meisten Bürger schauen eh nicht mehr genau hin. Da ist es egal, ob in der Packung noch etwas drin ist oder nur noch eine Idee davon – der Unterschied ist rein formal.“

Inhalt gilt vielerorts längst als verzichtbarer Ballast.


Bild erstellt mit Microsoft Copilot

Darf‘s a bisserl mehr sein?

Ausgabe 14/2019 Wal-Manipulation
Ausgabe 14/2019 Wal-Manipulation

Informationen über ein angebliches Hightech-Ortungsgerät der Russen sorgte beim amerikanischen Militärgeheimdienst kurzzeitig für Aufregung. Bislang ging die Defense Intelligence Agency davon aus,...

Mann scheitert an Restaurantbesuch
Mann scheitert an Restaurantbesuch

Ein 32-jähriger Mann aus K. hat seine Wohnung seit fast sechs Jahren nicht mehr verlassen. Ursache ist nach derzeitigem Stand weder eine körperliche Erkrankung noch ein politisches Statement,...

Sonderausgabe 01/2019
Sonderausgabe 01/2019

Die SPD hat den Sturz aus ihrer Parteizentrale, dem Hybris-Gebäude, nicht überlebt. Sämtliche Versuche, die Partei wiederzubeleben, sind gescheitert. Der herbeigerufene Notarzt konnte vor Ort nur...