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Berlin – Entgegen der weit verbreiteten Auffassung, Inflation sei grundsätzlich schlecht, verdichten sich die Hinweise, dass Preissteigerungen in Wahrheit zu den wirksamsten Umweltmaßnahmen des Landes gehören. Besonders im Einzelhandel zeigt sich ein bemerkenswert nachhaltiger Effekt.

Während man früher für 50 Euro noch zwei bis drei randvolle Einkaufstüten nach Hause schleppte, reduziert die Inflation den Warenkorb inzwischen auf ein ökologisch vorbildliches Minimum. Für dasselbe Geld bekommt man nur noch zwei, maximal drei Artikel – bequem in einer Hand transportierbar. Plastiktaschen braucht man dafür nicht mehr. Die ökologische Bilanz verbessert sich proportional zur Verarmung.

Umweltverbände loben den Kaufkraftverlust samt einhergehendem Konsumverzicht bereits als „Zero Waste durch Preisniveau“. Einige Prognosen gehen davon aus, dass der Wocheneinkauf bald vollständig in einer Jeanstasche Platz findet. Optimisten hoffen sogar auf Verbraucher, die langfristig ganz auf Lebensmittel verzichten – ein kaum zu überschätzender Beitrag zur CO₂-Bilanz privater Haushalte.

Damit die Mittelschicht dabei nicht allzu sichtbar ausblutet, arbeitet die Politik an begleitenden Sozialmaßnahmen – allerdings nur sprachlich. Vorrangiges Ziel bleibt, jeden Verdacht zu vermeiden, es könne sich bei der gesamten Entwicklung um Mangelwirtschaft handeln. In besonders klimabewussten Parteien gilt das Prinzip „weniger Menschen, weniger Umweltverschmutzung“ ohnehin als letzte verfügbare Alternative zu wirklich innovativen Lösungen.

Zusätzlichen Rückenwind liefert eine Innovation der Supermarktketten, deren Triebfeder weniger Nachhaltigkeit als die schlichte Furcht vor Umsatzverlusten sein dürfte: die Inflationsbekämpfungskasse. Die Selbstbedienungswunder erlauben es Kundinnen und Kunden, den Einkauf selbst einzuscannen – oder es einfach sein zu lassen. Ungescannte Waren verschwinden nicht nur vom Kassenbon, sondern auch aus der persönlichen Teuerungsbilanz. Ökologisch gesehen gilt: Was nicht erfasst ist, wird nicht konsumiert.

Bundespolitiker prüfen unterdessen, ob Inflation künftig offiziell als Klimaschutzmaßnahme anerkannt werden sollte. Nach dem durchschlagenden Erfolg von „Frieren für den Frieden“ denkt man bereits über einen Inflationszertifikatehandel nach: Prämien für Nichtkauf, Bonuspunkte für leere Kühlschränke, CO₂-Gutschriften für Bestattungen. Besonders ambitionierte Vordenker verweisen darauf, dass verhungerte Menschen weder heizen noch konsumieren und somit klimapolitisch als nahezu ideal gelten.

Fazit: Die Nation spart – vor allem an sich selbst.


Bild erstellt mit Microsoft Copilot

Darf‘s a bisserl mehr sein?

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