Deutschland - transatlantischer Ermöglichungsdienstleister
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Deutschland - transatlantischer Ermöglichungsdienstleister

Sollte Donald Trump tatsächlich Grönland „einnehmen“, werde die Bundesrepublik hart reagieren und alle US-Militärbasen aus dem Land werfen. Ein brachiales Signal, das hierzulande bereits als „Zeitenwende“ gilt – weil es ausnahmsweise nicht nur bei „wir sind besorgt“ bleibt, sondern bei „wir sind besorgt – mit Option auf richtige, echte Konsequenzen, ganz wirklich!“ eskaliert. Deutschland will dann endlich den Mut finden und klare Kante zeigen – damit es sich zumindest für einen Moment wie Außenpolitik anfühlt. All das natürlich völlig unverbindlich!

Die Bundesregierung betonte gestern todesmutig, man lasse sich „nicht erpressen“ und „nicht vorführen“ – außer natürlich von Freunden, denn das heißt dann nicht „vorführen“, sondern „enge Abstimmung“. Regierungsnahe Experten loben die geniale Konstruktion der Drohung. In einem Nachsatz stellte die Regierung jedoch klar, man sei selbstverständlich stets bereit, jede Form der Unterstützung zu leisten – solange sie keinerlei Risiken birgt, keine Verantwortung nach sich zieht und schon gar kein Rückgrat erfordert.

Trump zeigt sich begeistert: „Deutschland ist mein Lieblingsmitläufer – immer da, wenn man es ruft!“ „Die fragen zwar kurz, warum ich so handle, aber am Ende wollen sie nur wissen, wie tief sie sich bücken sollen.“ Die Bundesregierung wies das entschieden zurück. Man bücke sich nicht, man verneige sich – man wolle sich ja staatsmännisch gegenüber dem eigenen Volk geben. Diplomatie sei schließlich wichtig in Zeiten, in denen Demokratie nur noch als Deko dient. Außerdem beißt man die Hand nicht, die einen füttert: Man leckt sie brav, weil sonst am Ende noch die Leckerli ausbleiben.

Und falls es doch richtig knallen sollte, hat Deutschland bereits den nächsten genialen Schritt in der Schublade: „Wir finanzieren aus unserem Sondervermögen die Waffen von amerikanischen Waffenherstellern, die diese dann nach Grönland verschiffen – damit amerikanische Soldaten dort Trump mit seinen eigenen Waffen schlagen können“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Das sei strategisch elegant, weil dadurch alles beim Alten bleibe: Amerika liefert, Amerika beschäftigt sich mit sich selbst, und Deutschland kann sich dank finanziellen Irrsinns als Weltmoralist aufspielen, weil man ja wieder mal irgendeine „Freiheit“ verteidigt – ohne sich mit unnötigen transatlantischen Irritationen zu belasten. Das ist nicht nur sauber, das ist deutsches Konsequenz‑Origami: Man faltet die eigene Unabhängigkeit so lange, bis sie wieder exakt in eine US‑Tasche passt.

Deutsche Politiker auf höchstem moralischem Niveau: teuer, folgenlos, aber mit beeindruckender Ernsthaftigkeitsmimik und immer einen Tick zu spät für echten Mut. Die Regierung schaut nicht weg, wenn es um die Verteidigung moralischer Werte geht – sie schaut nur sehr genau hin, dass die wirtschaftlichen Interessen der Großkonzerne gewahrt bleiben, lässt andere dafür bluten und feiert sich danach als moralische Weltmacht im ethischen Schonwaschgang.

Praktisch an der aktuellen Gemengelage um Trump ist auch, dass der andere Kriegsschauplatz (Anm. d. Redaktion: Venezuela) nicht in der EU liegt. Da können sich deutsche Politiker jedwede Heuchelei sparen und ethisch wertvoll schweigen, weil dort ja nicht „UNSERE Demokratie“ verteidigt wird – und man Venezuelas Demokratie entspannt den freien Marktkräften überlassen kann.

Zurück zum Staate Dänemark: Falls Trump Grönland wider Erwarten nicht einnimmt, wird Deutschland selbstverständlich so tun, als habe man nie etwas anderes behauptet, und kehrt umgehend zu seinem bewährten Kurs zurück: Steigbügel halten – mit jener kritisch hochgezogenen Augenbraue, die Haltung simuliert, damit Tagesschau-Zuschauer sich auf der richtigen Seite wähnen können. Moralisch überlegen. Transatlantisch treu. Und vor allem: bequem.


Illustration: KI-generiert (GPT-5), 2026

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Ausgabe 46/2017

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