Gütersloh / Berlin. Die Bertelsmann Stiftung hat es ausgerechnet: Deutschland braucht lediglich rund 600 Krankenhäuser. Derzeit sind es noch knapp 1.400. Deutlich zu viel, sagen Experten. Zwar klagen Patienten und Ärzte seit Jahren über Überlastung, Personalmangel, fehlende Betten und lange Wege. Doch wo Krankenhäuser fehlen, können keine Betten fehlen. Wo Stationen geschlossen werden, kann Personal nicht überlastet sein. Die Reform folgt einem einfachen Prinzip: Probleme verschwinden zuverlässig, wenn man die Orte beseitigt, an denen sie sichtbar werden.
Selbstverständlich kündigt die Regierung so etwas nicht an, das gäbe nur Aufregung. Man lässt die Kliniken leise in die Insolvenz gehen, eine nach der anderen. Der Markt regelt das. Und der Deutsche versteht. Er murrt, er unterschreibt eine Petition, dann steht er auf, geht zur Arbeit und vergisst. Für echten Widerstand bräuchte es Franzosen – die hat man hier leider nicht importiert.
Besonders effizient läuft der Abbau bei den Kinderkliniken. Wer noch nicht rechnen kann, erzeugt auch keine Fallpauschalen. Und wer es nicht bis zur Einschulung schafft, belastet später auch kein marodes Schulsystem. Zwei Kostenstellen weniger.
Auch die Alten werden konsequent optimiert. Wer länger liegt, als die Fallpauschale einkalkuliert, ist ein Posten mit Verfallsdatum. Ein gebrochener Oberschenkel bei einer 87-Jährigen bringt schlicht zu wenig Umsatz pro Bettentag, um sie weiter zu lagern. Das ist keine Grausamkeit, das ist Buchhaltung.
Die ersten Erfolge sind bereits zu sehen. In manchen Regionen ersetzt man die Geburtshilfe durch Drive-in-Lösungen: Die werdende Mutter fährt vor, der Belegarzt winkt vom Fenster, die Fallpauschale ist gebucht. In den verbliebenen Häusern testet man das „Selbst-Check-in-System“, bei dem der Patient seinen Chip am Eingang scannt, sich auf die Liege legt und einem freien Arzt zugewiesen wird – sofern der Algorithmus ihn als rentabel einstuft. In den fortschrittlichsten Häusern gilt bereits der „Fünf-Minuten-Standard“: Wer länger warten muss, wird nach Hause geschickt und auf einen Rückruf vertröstet. „Ihre Gesundheit ist uns wichtig.“
Überlässt man dem Markt das Denken, rechnet er es zu Ende – und uns gleich mit. Ein Kranker ist ein Kostenfaktor. Ein Toter ist ein abgeschlossener Vorgang. Nur der Genesene ist ein Problem. Er kommt wieder – und will ein Bett belegen, das es längst nicht mehr gibt.
Der Wohlfahrtsstaat war nie als Versprechen gedacht, eher als Kalkulation. Was keine Pauschale erzeugt, fällt weg. Die Stiftung hat es berechnet. Experten widerspricht man nicht. Und der Deutsche? Er hat gelernt, dass „alternativlos“ keine Drohung ist, sondern ein Trost.
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