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- Jochen
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Jede Niederlage, jeder Rückschlag, jede Fehlinvestition wird fortan als Klimafortschritt verbucht: Verarmung heißt Tugend, leere Regale gelten als Ressourcenschonung, Nichtkauf wird mit Bonusmeilen belohnt. Schlechte Qualität ist Umweltschutz. In biedermeierlicher Manier richten wir uns im Niedergang ein, applaudieren den Brandstiftern und weigern uns, hinzusehen, obwohl das Desaster vor der Haustür stattfindet; wir messen Erfolg in Versagen, nicht in Fortschritt.
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Der Einzelne verfolgt seinen Eigennutz, und die unsichtbare Hand des Marktes sorgt dafür, dass dabei Gemeinwohl entsteht. So weit die Idee von Adam Smith. Eine schöne Vorstellung. Sie funktioniert – aber nur, solange alle Beteiligten noch etwas in der Hand halten.
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Karl Marx meinte einmal:
„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“
Ein Satz, der heute wirkt wie ein Systemhinweis für ein längst eingestelltes Betriebssystem: gut gemeint, aber ohne jede Relevanz für die aktuelle Version der Realität.
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Wir – also wir als Gesellschaft per se – wissen immer weniger, reden dafür aber immer lauter und tanzen empört im Kreis, sobald jemand es wagt, mit etwas so Anstößigem wie Wissen zu argumentieren. Die Empörung ist längst zur Ersatzreligion geworden: Jeder hat sein eigenes kleines Dogma, das er in seiner Blase mit den immergleichen Ideologien füttert, zur eigenen unantastbaren Weltanschauung aufbläst und gegen jede Form von Realität verteidigt. Nicht-Wissen ist Tugend, Empörung ist Ersatzintelligenz. Fakten sind nur noch lautes Hintergrundrauschen in der großen Kakophonie des Selbstgefühls.
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- Jochen
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Bildungseliten studieren längst nicht mehr, um etwas zu verstehen. Verstehen ist ja ein energetisch suboptimaler kognitiver Prozess und aus kapitalistischer Sicht eher störend. Stattdessen wird epistemisches Distinktionsmaterial zunehmend performativ externalisiert: Wissen als semiotisch aufgeladenes Statusartefakt, das weniger der Erkenntnis dient als der sozialen Selbstverortung.
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Eine Lesebrille ist für mich nun nicht mehr nur ein Gegenstand. Es ist ein Eingeständnis, ein bitteres. Ich werde alt. Nicht, dass ich mich beschweren will, so alt bin ich nun auch nicht. Aber alt genug, um zu sehen, wohin die Reise gehen wird. Und ich stehe erst am Anfang. All die Wehwehchen, die jetzt nur zwicken, werden garantiert nicht besser.
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- Jochen
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Wir leben in einer Zeit, in der Meinungen nicht mehr ausgetauscht, sondern ausgeräumt werden. Wer nicht exakt meiner Ansicht ist, gilt nicht als Gesprächspartner, sondern als Feind, der auch nicht davor zurückschreckt, arme Dörfer wie die Ukraine zu überfallen. Früher sagte man: „Ich sehe das anders.“ Heute heißt es: „Blockiert. Gemeldet. Gelöscht.“ Die neue Meinungsfreiheit besteht darin, die Meinung der anderen zu hassen.
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- Jochen
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Das Jahr hat eine neue Zahl. Für Menschen, die zählen können, ist das eine unbeirrbare Logik – wie der Verschleiß, der uns weiter abnutzt, obwohl wir längst stehen geblieben sind. Die Realität wird auf eine fortlaufende Ziffer reduziert, damit sie handhabbar wirkt. Altlasten wandeln sich unbemerkt in Neulasten.
Wichtiger Hinweis: