Einleitung
Ausgehend vom Wort Jesu versuche ich, klassische und moderne Ethiken auszuloten, um eine Haltung zu skizzieren, die verbindlich bleibt und doch der Wirklichkeit standhält. Im Zentrum steht der Zwiespalt: Wie können ethische Prinzipien in einer komplexen Welt Orientierung geben, ohne selbst zu starr, zu abstrakt oder lebensfern zu sein?
1. Jesu Satz als Ursprung ethischen Denkens
Der Ausgangspunkt des Dialogs ist das Wort Jesu: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Mt 22,39). Es wird als grundlegendes ethisches Prinzip verstanden, das viele spätere Theorien nur in neuer Sprache wiederholen – sei es Kant, Utilitarismus oder andere. Das Besondere an diesem Satz ist seine Einfachheit und Tiefe: Er verbindet ethische Forderung mit empathischer Haltung, und er richtet sich nicht an Eliten, sondern an alle.
Neulich im Radio:
Ein BR2-Korrespondent verspricht sich bei einem ausländisch klingenden Namen. Passiert. Aber statt einfach „Entschuldigung, mein Fehler“ zu sagen, wird ein anderer beschuldigt: der Name selbst.
Vielleicht sollte der Journalist künftig nur noch über Leute berichten, die Müller, Meier oder Schmidt heißen – oder Hans. Da kann er nichts falsch machen. Sein neuer Slogan: „Ich berichte nur, wenn ich’s aussprechen kann.“
